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10 seltsame französische Gesetze und Regeln

Ausländer machen sich oft über die französische Bürokratie lustig. All diese Regeln so streng und mühselig. Doch die folgenden ungewöhnlichen Gesetzgebungen in Frankreich sind teilweise gar nicht so schlecht.

1. Obst und Gemüse dürfen in Frankreich nicht mehr in Plastikverpackungen verkauft werden

Nach einem neuen französischen Gesetz dürfen Obst und Gemüse ab dem 1. Januar 2022 nicht mehr in Plastik verpackt werden. Dies gilt für Gurken, Bananen, Tomaten, Auberginen, Zucchini, Kartoffeln … Für empfindlichere Produkte wie Salate, Spinat, Spargel und Champignons haben die Produzenten etwas länger Zeit, eine Alternative zu finden (bis 2024). Erdbeeren, Himbeeren und andere Beeren dagegen müssen erst ab 2026 plastikfrei in den Regalen liegen.

2. Auf dem Lande hat der Hahn das Recht zu krähen

Seit 2021 schützt ein neues Gesetz die typischen Geräusche und Gerüche der französischen Provinz. Das Läuten der Kirchenglocken, das Rattern eines Traktors und der Gestank eines Misthaufens gehören mittlerweile zum patrimoine sensoriel des campagnes, also zum sog.  „Sinnes-Erbe“ auf dem Land. Das Gesetz dient dem Schutz des Landlebens gegenüber Beschwerden von Seiten der Urlauber oder Städter mit Zweitwohnsitz in der Provinz. Diese Beschwerden traten in den letzten Jahren immer häufiger auf. So gab es 2019 einen Rechtsstreit auf der Île d’Oléron: Angeklagt wurde die Besitzerin des Hahns Maurice, der viel zu früh zu krähen begann. Und vor einigen Jahren erhitzten sich in der Provence die Gemüter, als sich Urlauber beim Bürgermeister über den zu lauten Gesang der Zikaden beschwerten (lest weiter: „Könnten die Zikaden etwas leiser sein?’).

3. Französische Hausbesitzer dürfen im Winter niemanden vor die Tür setzen

Dem sog. trêve hivernale zufolge dürfen Hausbesitzer ihre Mieter zwischen dem 1. November und dem 31. März nicht mehr aus dem Haus werfen. Auch dann nicht, wenn ihnen illegale Untervermietung oder Mietrückstand vorgeworfen werden kann oder gar ein Räumungsverfahren läuft. Dieses französische Gesetz soll verhindern, dass Mieter in der Winterkälte auf die Straße gesetzt werden.

Haustür Paris

4. In Schulkantinen ist Ketchup verboten

Schon seit Jahren ist Ketchup aus gesundheitlichen Gründen in den Essensräumen der Schulen verboten. Außerdem muss mindestens einmal pro Woche ein vegetarisches Gericht auf dem Menü stehen. Weiterhin ist das Kantinen-Personal verpflichtet, eine Probe von allen servierten Speisen mindestens acht Tage lang aufzubewahren. Dies ist das sog. plat témoin, ein „Beweisgericht“ für den Fall, dass Probleme auftreten (Allergie, Lebensmittelvergiftung).

5. Handys wurden aus den französischen Schulen verbannt

Seit 2018 sind Mobiltelefone in öffentlichen Schulen in Frankreich verboten. Die Schüler müssen alle Apparate mit Internetanschluss abgeben oder weglegen, bevor sie die Klasse betreten. Diese Regelung gilt für Grundschulen und collèges (Schüler bis zu 15 Jahren). An den lycées können die Schulleitungen die Richtlinien selbst bestimmen.

6. In Frankreich kann man jemanden heiraten, der verstorben ist

Seit 1914 sind posthume Eheschließungen in Frankreich erlaubt. Ursprünglich wurde dieses Gesetz für die Kinder der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten ins Leben gerufen. Doch 1959 reaktivierte Präsident Charles de Gaulle das Gesetz als Folge der Staudamm-Katastrophe in der Provence. Eine junge, schwangere Frau durfte ihren verunglückten Verlobten nach seinem Tod heiraten. Noch immer ist das möglich, sofern die betreffenden Personen beweisen können, dass sie heiraten wollten, bevor einer von beiden verstorben ist. Weiterhin braucht man für die posthume Eheschließung die Zustimmung des Präsidenten.

7. In einem französischen Restaurant habt ihr Anspruch auf kostenloses Leitungswasser

Ein französisches Gesetz aus dem Jahr 1967 legt fest, dass Gastwirte eine Gratis-Flasche Leitungswasser zum Essen servieren müssen, sofern der Gast das wünscht. Die Karaffe mit Leitungswasser gehört in französischen Restaurants – ebenso wie Pfeffer, Salz und der Brotkorb – zum couvert“. Von französischen Kneipenbesitzern kann man dagegen nicht verlangen, ein kostenloses Glas Wasser zu servieren.

karaf water verplicht in Frans restaurant

8. Französische Supermärkte dürfen kein Essen wegwerfen

Französische Supermarktketten sind verpflichtet, nicht verkaufte Lebensmittel an Lebensmittelbanken abzugeben, anstatt sie wegzuwerfen oder zu vernichten.

9. Catcalling oder Belästigung auf der Straße ist strafbar 

Ein französisches Gesetz stellt es unter Strafe, Frauen auf der Straße oder in der Metro hinterherzurufen. Männer, die Frauen an einem öffentlichen Ort mit zischenden Geräuschen oder sexistischen Bemerkungen belästigen, müssen mit einer Geldstrafe von bis zu 750 € rechnen.

10. Kein Alkohol am Arbeitsplatz … außer Wein, Bier und Cider

Dem Code du travail zufolge ist Alkohol am Arbeitsplatz streng verboten. Es sei denn, es handelt sich um „Wein, Bier, Cider oder poiré (Birnen-Cider)“. Nur Champagner und Spirituosen fallen also durchs Raster. Doch als Arbeitnehmer kommt man mit den erlaubten Getränken wohl auch ganz gut durch den Tag.

Perlen vor die Säue

Und … darf man sein Schwein in Frankreich Napoleon nennen oder nicht?

Napoleon verbot den Franzosen, Schweine nach ihm zu benennen: Das sei eines Kaisers nicht würdig! Eine noch immer weit verbreitete Legende besagt, dass dieses Gesetz nie aufgehoben wurde und die Regel noch immer gilt. Eine wirklich schöne Geschichte, aber leider nicht wahr!

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Text: Nicky Bouwmeester, Fotos: Copyright Magali (Schild), Nicky Bouwmeester (Karaffe), CC-BY Leah Kelly (Schwein), CC-BY Bladsurf (Türe)

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