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9 Initiativen für einen guten Zweck

2019 soll ein besonders positives und optimistisches Jahr werden. Und deswegen stellen wir euch inspirierende Aktionen aus Frankreich vor, die beweisen, dass man auch mit kleinen Schritten zum (guten) großen Ganzen beitragen kann. Dürfen wir vorstellen: Straßenfriseure für Obdachlose und Surfer als Müllmänner …

Jogger, die Abfall beseitigen

Im letzten Jahr wurde es ein weltweiter Trend: Jogger, die herumliegenden Müll aufpicken. Man nennt sie auch „Plogger“. Weniger bekannt ist der Hype, der rund um Nicolas Lemonnier aus Nantes und seine 2015 gegründete Facebook-Gruppe Run Eco Team entstand: Zusammen mit seinen Freunden machten sie Fotos vom Müll, den sie während ihrer Joggingrunden einsammelten. Facebook-CEO Mark Zuckerberg war derart begeistert, dass er dem Franzosen einen Film widmete und seiner Initiative zu großer Bekanntheit verhalf.

Jogger

Herumfahrende Dusche für Clochards

Unter dem Motto „dignité pour tous“ (Würde für jeden) fährt seit 2009 das Wohnmobil namens Mobil’douche durch die Gegend und bietet Obdachlosen die Gelegenheit, sich zu waschen und frisch zu machen. Das Projekt begann in Malakoff, einem Pariser Vorort, und ist nun auch in Lyon, Saint-Louis (USA) und San Francisco zu finden. Sympa!

Mobil'douche

Straßenfriseur in Marseille

Hauptsache, das Haar sitzt gut …! Auch Kevin Ortega setzt sich dafür ein, dass sich Obdachlose  wieder wie ein „normaler Mensch“ fühlen. Dieser junge Friseur aus Marseille, der selbst in einer Pflegefamilie aufwuchs, schneidet Haare und rasiert Bärte gratis bei den sans-abris. Als Dank gibt es ein Lächeln und einen teilweise spektakulären neuen Look (siehe Film)! Auch in Straßburg und anderen französischen Städten hat diese aus Melbourne stammende Initiative einige junge Nachahmer gefunden.

Engagement für Äpfel und Birnen

Les Croqueurs de Pommes („die Apfelbeißer“) ist eine französische Stiftung mit über 8.000 Mitgliedern, die sich für den Erhalt der 5.000 Apfel- und 3.000 Birnensorten einsetzt, die noch immer in Frankreich wachsen. Doch lediglich 15 Varianten dieser Riesenauswahl werden heute großflächig für den Verzehr angebaut. Die Stiftung macht auf die alten Sorten aufmerksam und sorgt durch Pflanzaktionen dafür, dass sie nicht aussterben.

äpfel Ananas Reinette

Die Lebensmittelbank von Coluche

In 1985 gründete der französische Komiker Coluche eine allgemeinnützige Tafel namens Les Restaurants du Cœur. Leider sind die inzwischen 2.000 Niederlassungen heute notwendiger denn je: Letztes Jahr wurden sage und schreibe 900.000 Mahlzeiten an Franzosen verteilt, die bedürftig waren. Jedes Jahr organisieren bekannte Künstler Wohltätigkeitsveranstaltungen („Les Enfoirés“), um Geld einzusammeln. Damit gehört Les Restos du Coeur zu den beliebtesten Wohltätigkeitsorganisationen der Franzosen.

Coluche Restos du Coeur

Elektriker ohne Grenzen

Seit 2001 reisen die ehrenamtlichen Elektriker von Electriciens sans frontières in Gebiete, die vor Naturgewalten oder Kriegen getroffen wurden. In den letzten Jahren war diese französische Organisation u.a. in Haiti und Syrien aktiv, damit die Bevölkerung so schnell wie möglich wieder mit Strom und damit auch mit Licht versorgt wurde.

Electriciens sans frontières

Surfer, die das Meer säubern

Deutschland und die Niederlande waren in den letzten Wochen eifrig damit beschäftigt, ihre Strände von den aus Containern stammenden Plastikteilen zu befreien. In Frankreich werden solche Aufräumaktionen strukturell von der Surfrider Foundation durchgeführt. Diese in Amerika gegründete Organisation ist seit 1990 auch in Europa sehr aktiv – mit dem Surfmekka Biarritz als Zentrum. Die surfenden Mitglieder organisieren regelmäßig Säuberungsaktionen entlang der Küste. Zudem hat sich Surfrider Europe inzwischen zu einer Umwelt-Marke entwickelt, die u.a. ozeanfreundliche Sonnencreme promotet.

Surfriders Europe Biarritz

Übriggebliebener Fisch für arme Familien

Französische Supermärkte dürfen seit 2016 keine Lebensmittel, die „über Datum“ sind, wegschmeißen, sondern müssen sie an Lebensmittelbanken verteilen. Die französische Benefizorganisation Les Paniers de la Mer setzt sich seit Jahren dafür ein, dass auch unverkaufter Fisch einer Tafel zugute kommt. Seit 1997 sammelt diese aus der Bretagne stammende Organisation bei Fischauktionen nicht verkaufte Fischprodukte ein, verarbeitet diese und verteilt sie an Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und die Restos du Cœur.

Les paniers de la mer

Piloten, die Flüchtlinge retten

Zwei junge französische Piloten aus Chamonix sparten 130.000 €, um sich ein kleines Privatflugzeug zu kaufen. Mit diesem führen sie seit 2018 freiwillige Patrouille-Flüge über dem Mittelmeer aus. Entdecken sie Flüchtlinge auf See, dann kontaktieren sie Hilfsorganisationen (wie SOS Méditerranée und das französische Rettungsschiff Aquarius). Aus der Luft können diese Pilotes Volontaires sinkende oder kaputte Boote 100 x schneller spotten als die Rettungskräfte auf See.

Pilotes Volontaires

Einige der oben genannten, wohltätig engagierten Menschen oder Organisationen (und noch viele andere) stehen in dem Buch „615 histoires sur l’engagement“, das von der Fondation Goodplanet herausgegeben wurde. Dies ist die sympathische Organisation für Umwelterziehung von Yann Arthus Bertrand, einem berühmten französischen Fotograf, der für seine spektakulären Luftbildaufnahmen bekannt ist. TIPP: Besucht auch mal die Domaine du Longchamp am Stadtrand von Paris. Auf diesem Landgut veranstaltet die Stiftung gratis zugängliche Fotoausstellungen und Events. Absolut einen Besuch wert!

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Fotos: CC-Nicolas Lemonnier/Run Eco Team, Surfrider Europe-FB, CC-BY Leslie Seaton (Äpfel), CC-BY Thierry Ehrmann (Coluche), CC-BY Seeing Sanitation (Mobil’douche), Electriciens sans Frontières-FB. Text: Nicky Bouwmeester/frankrijk.nl

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