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Bezahlen auf Französisch: paiement und seine Eigenheiten

Auch wenn in der Grande Nation mit Euro bezahlt wird, gibt es dennoch eine Menge monetärer Eigenheiten, mit denen man bei einem Frankreich-Urlaub konfrontiert wird. So ist es beispielsweise nicht sehr üblich, dass jeder in der Runde sein Glas Wein getrennt abrechnet. Hier folgen ein paar Tipps, wie ihr euer Geld in Frankreich am besten unter die Leute bringt …

Ein klassischer Anfängerfehler, der so schon unzähligen Frankreich-Erstlingsbesuchern unterlaufen ist: Man sitzt im Restaurant, hat sich gerade die traumhaften Clafoutis mit Kirschen munden lasse, die Rechnung kommt. Der Keller offeriert „Carte bancaire“ und nach einer schnellen Übersetzung im Hinterkopf zückt man seine Bankkarte. Mais non, monsieur. Auch wenn es als Übersetzung für deutsche Köpfe so logisch klingt, wird der Serveur darauf wahrscheinlich mit einem Schulterzucken antworten und euch etwas ratlos zurücklassen. Ihr habt keine Lust, in ähnliche Zahlungs-Situationen zu geraten und euch damit als blutige Frankreich-Anfänger zu outen? Dann lest euch unseren Ratgeber gut durch. Er zeigt euch die wichtigsten französischen Finanz- und Bezahlungs-Eigenheiten auf.

Bezahlen auf Französisch

1. Keine Carte blanche für Fehler!

Zunächst wollen wir da das eben angeschnittene Kellner-Szenario entwirren. Also:

– Die Carte bancaire ist grundsätzlich die Kreditkarte. Und ihre Verbreitung ist fast schon „amerikanisch“ – ob mitten in Paris oder irgendwo in der Normandie, überall ist die Kreditkarte breit akzeptiert. Allerdings mit einem Passus: Am weitesten kommt man mit MasterCard und Visa; alle anderen Anbieter, auch wenn sie große Namen haben, werden seltener genommen. Ganz wichtig: Wer noch eine „Uralt-Kreditkarte“ ohne Chip hat, wird es schwer haben. Bei den Franzosen wird fast ausschließlich gechippt.

– Die Carte bleue ist hingegen die Giro- bzw. EC-Karte. Dabei muss man grundsätzlich zwar sagen, dass die Akzeptanz zwar besser geworden ist. D.h., man kann mittlerweile in vielen Geschäften und Restaurants auch auf diese Weise bezahlen. Verlassen sollte man sich aber keinesfalls darauf, sondern die Karte nur zum Geldabheben mitnehmen.

Stichwort Geld abheben: Auch dabei heißt es aufpassen. Denn das in Deutschland so etablierte und bewährte Prinzip namens CashPool, bei dem sich fast 40 Geldhäuser so zusammengeschlossen haben, sodass man als Kunde von einem davon bei allen anderen Mitgliedern zu geringsten Gebühren Geld abheben kann, endet vielfach, wenngleich nicht immer, an der Landesgrenze. Wer etwa Targobank-Kunde ist, kann nur bei Crédit Mutel und den CIC-Banken bedenkenlos abheben. Im Zweifelsfall gilt daher: Vor Reisebeginn bei seiner Bank nachfragen, mit welchen französischen Kreditinstituten sie zusammenarbeitet – und dann nur dort Geld abheben, sonst zahlt man saftige Gebühren.

2. Cheque die Fianzen!

Bezahlen auf Französisch Markt

Ganze 84 Prozent aller noch heute in der Eurozone getätigten Scheck-Zahlungen entfallen auf Frankreich. Und das, obwohl auch die dortigen Finanzinstitute die Zettel, mit dem einem sein Kreditinstitut bescheinigt, dass man für die ausgestellte Summe gut ist, gerne verbannen würden.

Doch gerade kleine Unternehmen, also auch Hotels, Ferienhaussiedlungen, Supermarchés und Ähnliche zählen zu den verbissenen Kämpfern für den Cheque und halten daran fest. Und das wird auch für den deutschen Reisenden wichtig: Denn er ist vielfach nicht nur Option, sondern einzig mögliches Zahlungsmittel. Bestes Beispiel, Kautionen. Wer sich irgendwo an der Ärmelkanalküste ein Ferienhäuschen mieten möchte, bekommt oft gar keine andere Möglichkeit, als das Scheckbuch zu zücken. Deshalb gilt auch: In jedem Fall vor Reisebeginn rechtzeitig zur Hausbank gehen und sich Schecks ausstellen lassen.

3. Trink auf das Geld – und teil es nicht

Café et addition

Gut gespeist und getrunken, der Service konnte sich auch sehenlassen. Da möchte man sich natürlich nicht als Geizhals zeigen und rundet die Rechnungssumme gerne um zehn oder noch mehr Prozent auf, die man „in einem Abwasch“ mitbezahlt. Sicherlich eine nette Geste, aber keine, mit der man sich als Frankreich-Kenner zu erkennen gibt. Denn Trinkgeld oder Pourboire, wird dort fast schon „teutonisch-geizig“ gehandhabt und keinesfalls so freimütig, wie man es vielleicht glaubt:

– Auch wenn es diverse „Reise-Kniggen“ immer wieder raten, aber zehn oder gar fünfzehn Prozent der Rechnungssumme würde kein Franzose als Trinkgeld bezahlen – und auch kein Kellner, kein Hotelier erwartet das. Man hält sich an das, was auch in Deutschland als guter Ton gilt: 50Cent bis einen Euro, falls man nur etwas getrunken hat. Ansonsten leicht aufgerundet.

– Falls man mit Karte zahlt, nennt man die volle Summe inklusive Trinkgeld – oder schreibt sie auf, falls man seine französischen Zahlen nicht so flüssig aussprechen kann.

– Zahlt man bar, gibt man entweder direkt nur die normale Rechnungssumme und lässt das Trinkgeld auf dem Tisch liegen (üblich bei Mahlzeiten) oder aber hinterlässt Rechnungs- plus Trinkgeldsumme komplett beim Verlassen (üblich bei Getränken).

– Falls man mit mehreren Leuten speist, ist es absolut unüblich (und in vielen Etablissements auch ein schwerer Fauxpas), dass jeder nur zahlt, was er konsumiert hat. Nicht falsch verstehen, man muss nicht immer alle einladen oder sich einladen lassen. Aber gegenüber dem Kellner zahlt nur einer alles – hinterher kann man immer noch privat aufteilen. Das einzige, was halbwegs akzeptiert ist, ist – im kleinen Rahmen oder bei einem Geschäftsessen – die Rechnungssumme genau auf die Anzahl der Mitglieder aufzuteilen – egal, wie groß deren tatsächlicher Einzelanteil ist.

Und: Falls der Service einem nicht gefallen hat oder auch nur „Standard“ war, ist es auch vollkommen legitim, gar kein Trinkgeld zu geben – Frankreich ist nicht die USA; hier bekommen Gastronomie-Bedienstete auch ohne Trinkgelder ein Gehalt, das zum Leben ausreicht. 

Daniela zahlt 7,36€, Dennis 13,26 und Andy 9,82. Wer solche deutschen Bezahl-Teilungen in Frankreich versucht, wird am Kellner scheitern.

4. Plaketten und Maut

Bis 2017 konnte man als sich Deutscher in Frankreich darüber freuen, dem Land der Umweltzonen und -plaketten entgangen zu sein. Allerdings haben unsere Nachbarn nachgezogen und die Pflicht gilt auch für Ausländer und deren im Ausland gemeldete Autos. Zwar nicht generell fürs ganze Land, aber wetterabhängig kann sich die Sachlage schnell ändern.

Auch da kommt wieder das liebe Geld ins Spiel. Die einzige Variante ist es, sich die Vignette auf der offiziellen Seite von Crit´Air  zu bestellen und sie per Kreditkarte zu bezahlen. Ist man eher der spontane Typ, der erst im Urlaub feststellt, dass er gerne nach Paris, Lyon oder Lille fahren würde, gibt es keine Shops, in denen man den Kauf nachholen könnte!

Bei der Maut gilt: Nur per Kreditkarte (keine EC-karte). Zwar sind die allermeisten Automaten so eingerichtet, dass sie auch Bargeld akzeptieren. Doch häufig ist das aus technischen Gründen nicht möglich. Wer die Kreditkarte im Anschlag hat, erlebt keinesfalls Überraschungen. Eine elektronische Mautplakette ist auch eine super gute Alternative. Hier lest ihr mehr darüber.

BipGo-Badge Mautbox
5. Bitte keine Riesenscheine

Dieser letzte Tipp basiert zwar nur auf dem Ergebnis einer absolut logischen Verkettung von Umständen, aber nichtsdestotrotz ist er unheimlich wichtig. Denn es gibt in Frankreich ein Klischee über deutsche Touristen: Sie sind es, die grundsätzlich mit großen Euroscheinen herumlaufen und darüber hinaus auch dazu neigen, Rechnungsbeträge jeglicher Art mit viel zu großen Scheinen bezahlen zu wollen.

Logisch ist das deshalb, weil die meisten sich nicht das Portemonnaie mit einem dicken Reisekassen-Bündel von Fünfer- und Zehnerscheinen und noch mehr Münzen aufpumpen wollen. Ergo holt man sich vor Reiseantritt wenige 50er, 100er oder sogar 200er – im Vertrauen, dass auch die Franzosen den Schein schon wechseln werden.

Falsch gedacht, denn die französischen Gesetze besagen ganz klar:

– Noten, die den Rechnungsbetrag erheblich überschreiten, müssen nicht angenommen werden
– Kunden müssen das Geld so passend wie möglich zahlen

Ein Argument mehr für die Kreditkarte. Und wer trotzdem nicht vom Baren lassen will, sollte lieber nur wenige kleine Scheine und Münzen mitnehmen und bei Bedarf am Bankautomat „nachladen“.

Scheckheft - Chequier Bildquellen: 1) fotolia.com© Jacob Lund 2) fotolia.com © rh2010 3) fotolia.com © Image’in 4) fotolia.com © Gorodenkoff, Scheckheft CC Yann Droneaud, Bip&Go

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