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The Bonjour Effect: 7 französische Konversationsregeln

„Bonjour“ ist das Schlüsselwort für alle, die mit Franzosen echt in Kontakt treten möchten. Aber es gibt noch weitere goldene Regeln für die französische Kunst der Konversation. Zwei kanadische Journalisten schrieben darüber sogar ein Buch: The Bonjour Effect.

Im Jahr 2004 erschien bereits ein erfolgreiches Buch der beiden in englischer Sprache: What Makes the French So FrenchEin gut recherchiertes und unterhaltsames Werk, in dem die zwei kanadischen Journalisten Julie Barlow und Jean-Benoït Nadeau eine ganze Reihe französischer Eigenheiten erklären. In ihrem neuesten Buch, The Bonjour Effect (2016), konzentriert sich das Duo dagegen auf die unergründliche Kunst der französischen Konversation.

Das größte Vorurteil gegenüber den Franzosen – ihre Arroganz und Distanziertheit – soll daraus resultieren, dass die Ausländer die französische Art und Weise, ein Gespräch zu führen, einfach nicht verstehen. Das Buch bringt daher Licht in gebräuchliche Konversations-Codes und erklärt, warum es so wichtig ist, „bonjour“ zu sagen. Von den „12 guiding principles of French conversation“, welche die Autoren auflisten, finden wir selbst die folgenden 7 am interessantesten und am typischsten.

Die Kunst der französischen Konversation.

Die 7 geheimen Konversationsregeln im Französischen

1. Franzosen kommunizieren nicht. Sie konversieren.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern liegt in Frankreich der Fokus einer Botschaft weniger auf dem Inhalt als vielmehr auf der Form. Und um die Form zu wahren, sollte man ein Gespräch im Französischen immer mit bonjour beginnen. Im Bus, im Geschäft, am Fahrkartenschalter … so oft und so ernstgemeint wie möglich. Danach ist eigentlich alles erlaubt (böse werden, sich beschweren, drohen). Doch habt ihr erst einmal die Konversation auf dem falschen Fuß begonnen, dann kann es nur noch bergab gehen.

2. Franzosen korrigieren andere oft, das zählt als angemessenes Verhalten.

Den Autoren zufolge muss man laut der französischen Gesprächsetikette nicht zu allem Ja und Amen sagen. Es ist sogar üblich, dass die Franzosen widersprechen oder gar korrigieren. Das passt nämlich hervorragend zur Kunst des Duellierens, welche die Basis der französischen Konversation bildet.

3. Franzosen sagen oft nein, wenn sie ja meinen.

Dass „non“ in vielen – oftmals gut versteckten – Formen existiert, haben wir ja schon in unserem Artikel 10 Arten, auf Französisch NEIN zu sagen beschrieben. Das Ganze hat viel mit Höflichkeit zu tun, kann logischerweise aber auch zu Kultur- und Sprachverwirrung bei Ausländern führen.

4. Franzosen haben oft Angst vor Fehlern und versuchen sie mit aller Gewalt zu verhindern.

Franzosen geben nicht gerne zu, dass sie etwas nicht wissen (und reden dann endlos lange um den heißen Brei herum); und Fehler sind ihnen sogar ziemlich peinlich. Diese Angst ist in Unterhaltungen oftmals zu spüren, wodurch ein Gespräch in den Augen von Ausländern manchmal ausweichend oder unehrlich rüberkommen kann.

5. Franzosen sind gerne negativ, weil sie dadurch schlauer wirken.

Ein zynischer Witz ist in Großstädten wie Paris schnell gemacht, und Jammern ist dort eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Auf dem Lande jedoch begegnet man – unserer Meinung nach –diesem negativen Tonfall viel seltener. Die Autoren von The Bonjour Effect messen diese französische Unart jedoch am überschwänglichen, superpositiven Tonfall der Nordamerikaner, was wiederum in den Ohren vieler Franzosen etwas dümmlich klingt. Der Gedankengang, der dahinter steckt: Ein intelligenter und kritischer Mensch findet nicht alles super, das wäre zu einfach.

6. In Frankreich sollte ein Gespräch nicht nur informativ, sondern auch mitreißend sein.

Damit schließen wir bei Punkt 1 an: Ein echtes Gespräch dreht sich nicht nur um den konkreten Informationsaustausch. Wichtig sind auch der geteilte Moment, das Zusammensein und das häufig endlos lange Plaudern über interessante Themen. Den Buchautoren zufolge gehören zu den Lieblingsthemen der Franzosen: Sprache, Geschichte, Essen, Kunst, Film, Literatur und … Urlaub. Gesprächsgegenstände, die man vermeiden sollte: Familie (zu privat), Politik (zu gefährlich), Arbeit und Geld (viel zu langweilig).

7. Franzosen müssen nicht einer Meinung sein.

Anders als in vielen anderen Kulturen machen sich die Franzosen nicht allzu große Sorgen darüber, wie man den Frieden wahrt und ein Gespräch so geschmeidig wie möglich am Laufen hält. Einander zu widersprechen macht in ihren Augen die Unterhaltung interessanter und leidenschaftlicher. Je deutlicher und provozierender eure Meinung also ist, desto besser.

Buch The Bonjour Effect. The Secret Codes of French Conversation Revealed (2016) 

The Bonjour Effect. The Secret Codes of French Conversation Revealed (2016) wurde (noch) nicht ins Deutsche übersetzt, doch die englische Version ist für 9,99 € bei Amazon erhältlich.

Text: Nicky Bouwmeester, Fotos: Film ‘Je suis à vous tout de suite’ und Nicky Bouwmeester (Buch).

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5 Antworten zu “The Bonjour Effect: 7 französische Konversationsregeln”

  1. URSULA SOLBERG sagt:

    Sehr interessant und amüsant!

  2. Anne sagt:

    was für ein Schmarrn !

  3. Martin Gollnau sagt:

    Eine Bitte-Stellt doch mal einige spezielle Ausdrücke oder
    Begriffe in der cht i Mundart vor.Ich bin gern im Norden.

  4. Michel sagt:

    Bonjour,
    Le livre est super compact et élégamment décrit!
    Chapeau bas! 🙂

    Merci beaucoup

    Michel

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