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Pageturner über das historische Paris

Der französische Schriftsteller Pierre Lemaitre erregte viel Aufsehen mit seinem wunderbaren Epos „Au-revoir là-haut“. Das zweite Buch ist ebenfalls ein Meisterwerk. Das behauptet zumindest unser Gastblogger Ronald de Nijs: Top-Literatur, die man nicht mehr aus den Händen legt.  

Die Farben des Feuers

Im Buchladen fiel mein Blick auf die Titelseite mit dem Eiffelturm und dem goldenen Aufkleber mit dem weißen Schriftzug „Gewinner Prix Goncourt“. Als ob das nicht schon genug wäre, so zieren auch noch zwei Reihen mit fünf Sternen den Sticker. Ich ließ mich überzeugen und ging mit dem Buch zur Kasse. Zu Hause fand ich heraus, dass Pierre Lemaitre diesen wichtigen französischen Literaturpreis schon 2013 für seinen Roman Au revoir là-haut erhielt. Farben des Feuers, im Französischen Couleurs de l’incendie, ist dessen Fortsetzung. Die Handlung spielt sich größtenteils im Paris der 1930er-Jahre ab. Und was bedeuten die Sterne auf dem Titel-Aufkleber? Das ist natürlich pures Marketing. Doch nach der Lektüre des Buches stehen die Sterne dort zu Recht.

Pierre Lemaitre Die Farben des Feuers

Lustig, bewegend und spannend

Die Farben des Feuers ist also die Fortsetzung von Au revoir là-haut (im Deutschen Wir sehen uns dort oben). Doch auch ohne das erste Buch gelesen zu haben, ist dieses Werk ein Vergnügen. Der Roman ist ein echter pageturner: Ich wurde überrascht, musste ab und zu grinsen, hielt den Atem an – und ich wollte das dicke (448 Seiten!) Buch gar nicht mehr aus den Händen legen. Um das Lesevergnügen anderer Leser nicht zu beeinträchtigen, erzähle ich hier lieber nicht die ganze Handlung. Ein Auszug aus dem Klappentext sollte reichen:

Als der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt im Jahr 1927 verstirbt, steht seine Tochter Madeleine, deren Exmann nach einem landesweiten Skandal im Gefängnis sitzt, plötzlich völlig allein an der Spitze eines Bankimperiums – in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Während Gustave Joubert, der Prokurist der Bank, Charles Pericourt, Madeleines verschwenderischer Onkel, und André Delcourt, ihr Liebhaber mit dichterischen Ambitionen, um die junge Erbin und ihren Sohn schwirren wie Motten um das Licht, zeichnen sich am Horizont bereits die Vorboten des Zweiten Weltkriegs ab. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Um ihres Sohnes willen beginnt sie ihren ganz persönlichen Rachefeldzug zu planen.

Lemaitre schrieb also erneut ein atemberaubendes Epos über den Fall des Establishments und über die süße Rache einer Frau in der Männerwelt. Begleitet Madeleine und ihren Sohn auf ihrem großen Abenteuer!

Mehr verrate ich nicht! Schnell in den Buchladen und selber lesen!

Die Farben des Feuers Französischer roman

Die Farben des Feuers, Pierre Lemaitre, Klett-Cotta, ISNB 978-3608963380, 25 €. Online bestellen

Noch ein Tipp der Redaktion: „Der Rausch der Jahre“

Ebenfalls in Paris, allerdings 80 Jahre früher als der oben genannte Roman, spielt das Buch „Der Rausch der Jahre“ von Walburga Hülk. Die Professorin für romanische Literaturen an der Universität Siegen zeichnet in ihrem Buch ein interessantes Bild vom Paris im 19. Jahrhundert, als Frankreich zum kulturellen Nabel der Welt avancierte und sowohl militärisch als auch wirtschaftlich boomte. Walburga Hülk gelingt es, diese Zeit sehr unterhaltsam, aber auch tiefgründig zu umschrieben. Es geht um die Zweite Pariser Weltausstellung, die Erfolge des Pariser Stadtplaners Haussmann, um Sex im Visier der Sittenpolizei und um Flaubert, Baudelaire, George Sand, Victor Hugo und andere Persönlichkeiten. Auszug aus dem Vorwort: „Dies ist ein Buch über Paris und zwanzig vibrierende Jahre, in denen die Moderne erfunden wurde und der Paris-Mythos entstand“.

Der Rausch der Jahre Walburga Hülk

Der Rausch der Jahre: Als Paris die Moderne erfand. HOFFMANN UND CAMPE VERLAG, ISNB 978-3455006377, 26 €. Online bestellen

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Text: Ronald de Nijs und Ulrike Grafberger

Gastblogger Ronald de Nijs

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