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Savoir Vivre auf vier Rädern: französische Oldtimer

Frankreich ist auf der Welt für vieles bekannt: kulinarische Klasse, gute Weine, packende Kultur. Und … Autos. In den letzten 100 Jahren haben Hersteller wie Renault, Peugeot und Citroen wahre Klassiker geschaffen. Kaum verwunderlich, dass es unter Franzosen eine große Begeisterung für Oldtimer gibt. Nicht nur bei Straßenfahrzeugen, auch im Rennsport hat Frankreich eine lange Tradition.

französische autos 2CV

Internationalität und Oldietreffen

Wir alle kennen die französischen Klassiker wie den Citroen 2CV, besser bekannt als „Ente“. Die Ente hat es sogar geschafft, dass einige deutsche Autobegeisterte ihr eine ganze Zeitschrift gewidmet haben. Nicht nur das: Es gibt sogar regelrechte 2CV-Clubs, zum Beispiel in Stolberg bei Aachen. Um das Lebensgefühl dieses Autos zu feiern, kamen im Jahr 2019 Tausende Liebhaber in Saint-Armand-Montrond zusammen, ein Event, das auch bei deutschen Fans großen Anklang fand.

Aber auch für andere Oldtimer finden in Frankreich eine ganze Reihe von Treffen statt. Wenn ihr also eure nächste Frankreichtour plant, lohnt es sich durchaus, mal nachzuschauen, wo ihr eurer Leidenschaft für Oldies nachgehen könnt. In Paris, Nancy aber auch in kleineren Ortschaften werdet ihr passende Anlaufpunkte finden können.

2CV Autos legendäre französische Oldies

Zwei legendäre französische Oldies 

Nicht nur die Ente, auch weitere Oldtimer haben sich über die letzten Jahrzehnte zu echten Legenden entwickelt. Zwei dieser Modelle sind für Liebhaber besonders spannend: der Citroen DS und der Renault R4.

Der Citroen DS

legendäre französische Oldies Citroen DS

Umgangssprachlich auch „Göttin“ genannt, hat dieser Wagen auf dem Pariser Autosalon 1955 große Wellen geschlagen. Kein Wunder: Der Gründer der Firma, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahrzehnten bestand, hatte schon zu seinen Lebzeiten ein Gespür für furioses Marketing.

Der Spitzname des Wagens wiederum rührt vom Kürzel: DS bedeutet, französisch ausgesprochen, „Göttin“ (déesse). Das Design war so überzeugend, dass der Wagen, als Nachfolger des Traction Avant, 20 Jahre lang gebaut wurde.

Der DS wurde weniger zum Geheimtipp, als vielmehr ein echter Verkaufsschlager: In weniger als zwei Wochen konnte der Hersteller bereits 80.000 Bestellungen verzeichnen. Technisch war der Wagen vor allem durch eine neuartige Lenkung und ein Fahrwerk, dass einen ungekannten Komfort bot, seiner Zeit voraus. Auch heute ist er unter den Oldtimerfans ein echter Hingucker.

Aber nicht nur der DS und die Ente haben einen echten Legendenstatus. Im Jahr 2019 produzierte Citroen einen Werbespot, in dem der Hersteller alle seine legendären Wagen erneut präsentierte. Verschiedene Fanclubs feierten das Jubiläum Mitte des Jahres.

Der Renault R4

legendäre französische Oldies Renault R4

Auf eine sogar noch längere Produktionszeit hat es der Renault R4 gebracht: Er wurde von 1961 bis 1992 hergestellt. Die Internationalität lag in seiner Wiege: Von der Presse zum ersten Mal umjubelt wurde das Modell auf der internationalen Ausstellung IAA. Als kleine Zugabe passierten danach 200 weiße R4-Modelle den Eiffelturm. Falls jemand von euch in der Marketingbranche arbeitet: Genauso solltet ihr es angehen!

Der R4 ist der Nachfolger des 4CV, auch „Cremeschnittchen“ genannt. Lasst euch an dieser Stelle nicht verwirren: Sowohl Citroen, als auch Renault hatten in der Namensgebung ihrer Fahrzeuge ein CV (die französische Abkürzung für PS). Vielleicht haben sich die beiden Hersteller ja abgesprochen?

In jedem Falle wurde der R4 ungefähr acht Millionen Mal hergestellt und hat es über die Jahrzehnte zu einem legendären Ruf gebracht. Revolutionär waren vor allem der Frontantrieb und die weit öffnende Heckklappe.

Oldtimerbegeisterte in Frankreich

Unter den Franzosen ist die Leidenschaft für Oldtimer groß. Einerseits könnt ihr das an den vielen Treffen sehen, außerdem gibt es immer wieder furiose Beispiele von Autonarren, die mit einer unvergleichlichen Leidenschaft zu Sammlern werden. Besonders bekannt ist Roger Baillon. Er hat über einen längeren Zeitraum im letzten Jahrhundert Oldtimer aus aller Herren Länder gesammelt, so auch legendäre Wagen wie den Ferrari des Schauspielstars Alain Delon und weitere Raritäten.

Eigentlich plante Baillon, ein eigenes Museum zu eröffnen, um der Welt seine Schätze zugänglich zu machen. Baillons Plan wurde jedoch von geschäftlichen Misserfolgen durchkreuzt. So standen die Fahrzeuge über einen langen Zeitraum unbeachtet auf seinem Grundstück. Mehrere Jahre nach seinem Tod wurde die Sammlung in der Scheune entdeckt. Ein Riesenfund! Die Modelle wurden in Paris im Jahr 2015 unter Liebhabern versteigert, das Event zog die Aufmerksamkeit der internationalen Presse auf sich.

Rennsporterlebnis Le Mans

Nicht nur auf der Straße, sondern auch im Rennsport haben sich die Franzosen über das letzte Jahrhundert einen legendären Ruf erarbeitet. Einerseits durch Events, andererseits auch durch weltbekannte Rennfahrer und Teams. 

24heures du Mans

Besonders bekannt sind die 24 Stunden von Le Mans. Neben dem Autorennen hat die Stadt im Nordwesten Frankreichs auch sonst einiges zu bieten. Das Rennen findet seit 1923 mit einer Pause zwischen 1939 und 1949 jährlich statt und ist das französische Aushängeschild in der Kategorie der 24 Stunden Rennen, die beispielsweise auch in Daytona, Dubai oder auf dem Nürburgring stattfinden.

Zunächst wurde die Veranstaltung als Möglichkeit für Hersteller, die Zuverlässigkeit ihrer Autos unter extremen Bedingungen zu beweisen, geplant. Über die Jahrzehnte entwickelte sich das Event zu einer sportlichen Herausforderung für aufstrebende Rennfahrer und einem echten Publikumsmagneten.

Oldtimerveranstaltung Le Mans Classic

Für die Zuschauer ist Le Mans ein einzigartiges Rennsporterlebnis. Motorsportfans aus der ganzen Welt wohnen dem Rennen alljährlich bei. Zudem finden alle zwei Jahre auf der Strecke die Le Mans Classic statt, eine Oldtimerveranstaltung. Auch für die Oldiebegeisterten unter euch ist Le Mans also alle zwei Jahre die perfekte Adresse für einen Frankreichtrip.

Grusse aus Le Mans

Für die Fahrer wiederum ist ein Sieg in diesem Rennen wie ein Ritterschlag. Einerseits können sich aufstrebende Fahrer einen Namen machen, andererseits haben alte Hasen nochmal die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten beweisen. So verwundert es wenig, dass sich unter den Le Mans-Siegern auch zahlreiche seit Jahrzehnten bekannte Formel 1-Fahrer wie Jochen Maas, Derek Warwick oder in jüngererer Zeit sogar der dreifache Weltmeister Fernando Alonso finden.

Frankreich und die Formel 1

Auch in der Königsklasse des Rennsports hat Frankreich im letzten Jahrhundert seine Spuren hinterlassen. Die bekannten Rennstrecken in Dijon, Le Castellet (unser Hotel-Tipp in der Nähe) und Magny Cours boten einen Schauplatz für einzigartige Rennen.

Aber auch in Reims und anderen Orten wurde der Grand Prix von Frankreich schon ausgetragen. Viele der bekannten Kurse können auch heute noch von euch besucht werden und bieten neben anderen Rennveranstaltungen ein unvergleichliches Stück Rennsportgeschichte.

Nicht nur die Pisten, sondern auch französische Teams und Fahrer sind in der Formel 1 zu wahren Legenden geworden. So war Renault bereits zwischen 1977 und 1985 in der Königsklasse aktiv und wurde mit Alain Prost als Fahrer im Jahr 1983 sogar fast Weltmeister.

Die Collection Schlumpf in Mühlhausen

Auch der kleinere Rennstall Ligier, der bereits 1976 seine erste Formel-1-Saison bestritt und Anfang der 80er seine besten Jahre erlebte, ist Rennsportfans bis heute ein Begriff. Neben vielen anderen internationalen, sogar teilweise noch älteren Rennwagen, könnt ihr Modelle von Renault und Ligier heute im Schlumpf-Museum im Ort Mulhouse begutachten. Hier zeigen sich auch weitere französische Einflüsse auf die Königsklasse des Rennsports: Sowohl Peugeot, als auch Renault belieferten verschiedene internationale Teams über viele Jahre mit Motoren.

Ligier wurde schlussendlich 1997 von Alain Prost übernommen. Apropos Prost: Er ist mit vier Weltermeistertiteln der erfolgreichste französische Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Vor allem seine von einer erbitterten Rivalität geprägten Duelle mit dem 1994 verunglückten Ayrton Senna sind bis heute in Erinnerung geblieben.

Frankreichtour mit Europa-Nummernschild

Wenn ihr nun selbst mit einem Oldtimer in den Frankreich-Urlaub aufbrechen möchtet, dann haben wir noch einen Tipp für euch: Europäische Nummernschilder verleihen seit einiger Zeit der Kombination deutscher Fahrer und französischer Oldtimer sowie dieser besonderen europäischen Freundschaft und Gemeinschaft Ausdruck.

Das Nummernschild mit dem blauen Rand und den gelben Sternen gibt es in Deutschland seit 1994. Im Rahmen der rechtlichen Vorgaben lassen sich hier zudem individuelle Buchstaben- und Zahlenkombinationen realisieren. Für Fans von französischen Oldies bieten die deutschen Zulassungsregeln eine echte Möglichkeit zu einem imaginären Handschlag mit ihren französischen Freunden.

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Fotos: CC-BY/mezzotint_fotolia (2CV), CC-BY/enrico scarsi (Citroen 2C rot), CC-BY/Stanislava (Citroen DS), CC-BY/Marek Gottschalk (Renault R4), CC-BY/ZANTAFIO56 (24H Le Mans)

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