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GRÜSSE AUS … Saint-Tropez

Karen schrieb uns ihre Erlebnisse aus dem dekadentesten Fischerort der Côte d’Azur. Die Schönen und Reichen auf ihren Jachten beobachten – das geht prima in Saint-Trop. Besser hätten wir die Atmosphäre nicht umschreiben können, chapeau Karen!

Fréjus, 2. Juli 2017

Hallo Mädels,

nach einer fantastischen Tour auf der D559 entlang der atemberaubenden Buchten der Côte d’Azur legen mein Liebster und ich eine Pause auf einer Caféterrasse ein. Wir bestellen ein paar Kleinigkeiten, der Preis verschlägt uns zwar sofort den Appetit, doch was soll’s … wir sind schließlich an der Côte d’Azur! Ganz umsonst dagegen ist dieses Vergnügen: Aussicht auf gigantische Jachten, auf Autos, die mindestens zehn Durchschnitts-Jahresgehälter kosten, und auf eine Horde Touristen, die sich an dem Luxus nicht sattsehen kann und zwischendurch voller Neid ein paar Selfies schießt.

Vor uns sitzt ein Paar: Er trägt ein Polo-Shirt mit großem „St. Tropez“-Aufdruck, was ihm den Anschein eines begeisterten Seglers gibt. Sie schmückt sich mit einem Hut, bei dessen Anblick Brigitte Bardot vor Neid erblassen würde. Neben dem Tisch eine Tasche mit „I love St. Tropez“ in großen Buchstaben. Wo wir gerade gelandet sind, das müsste deutlich sein, oder? Er hält in der einen Hand ein Fernglas, in der anderen ein Glas Rosé.

Der Mann dreht sich um. Meine Bestellung in bestem Französisch, doch mit niederländischem Akzent, lässt ihn aufblicken. „Was für ein Theater hier, stimmt’s?“, sagt er nach einem süffisanten Mini-Schluck aus seinem Rosé-Glas. Ich nicke zustimmend, setze mein freundlichstes Lächeln auf und frage ihn, ob ich mal kurz sein Fernglas ausleihen könne. 

Gruesse aus Saint Tropez

Zwischen uns und den oberen Zehntausend liegen nur circa 20 Meter. Ich bin gespannt, was mich erwartet, wenn sich unsere Welten annähern. Kein Problem, er leiht mir sein Guckrohr und ich halte es vor meine Augen.

Liebevoll schaut er sie an. Sie trägt beigefarbene Shorts und ein strahlendweißes Shirt; ihn zieren weiße Locken und viel Blingbling um den Hals. Vor Kurzem war er beim Friseur, das sieht man. Oder jemand in beigefarbenen Shorts, weißem Polo und dienendem Charakter hatte ihn in der Mangel. Er sieht jedenfalls ganz gut aus, als er so verführerisch in ihren Nacken haucht. Dann streichelt sie über seinen Bauch, wobei er sie mit seinen dunkelbraunen Augen fragend anschaut. Sie kann nicht Nein sagen, das ist deutlich. Sanft drückt sie ihr Gesicht in seine wollige Brust. Die Szene spielt sich auf dem Oberdeck einer Freizeitjacht ab, und Freizeit scheint man hier viel zu haben. Jetzt scheint das Mädchen leise in seine haarigen Ohren zu flüstern: „On y va, mon petit pou-pou“. Und plötzlich ist sie mit ihrem Hündchen aus meinem Blickfeld verschwunden.

Auf dem Deck darunter chillt („sitzen“ wäre hier der falsche Ausdruck) eine Frau mit extrem blondem Haar. Ihre prallen Lippen passen nicht zu ihrem faltigen Hals, der ihr Alter verrät. Sie nippt an einem Glas, in dem vermutlich kein Hauswein schwimmt, und schaut etwas gelangweilt auf das turbulente Leben an der Promenade von Saint-Tropez. Madame angelt nach ihrer Sonnenbrille von Prada oder Gucci, setzt sie auf und verschleiert dadurch die Unruhe vor ihrem Anwesen.

Nun wird die Gangway ausgefahren und das Mädchen in den beigefarbenen Shorts geht mit ihrem Pudel von Bord. In ihrem Fahrwasser folgt der Pudelwachdienst, bekleidet mit schwarzer Sonnenbrille und beigeweißer Arbeitskleidung, mit einem Kopfhörer im Ohr, dessen Kabel am Kinn baumelt. Ich richte das Fernglas wieder auf die Frau, die nun die Sonnenbrille abgenommen hat und ein Fernglas in Händen hält. Sie betrachtet die Menschenmenge am Ufer und ich achte auf ihre Mimik: Der gelangweilte Blick verschwindet, und ihre Mundwinkel bewegen sich nach oben.

Dann scheint sie das Fernglas auf mich zu richten. Um mich zu vergewissern, strecke ich meinen Daumen in die Höhe. Sie lacht, hebt ihr Glas und ich deute ein „Santé“ an. Unbezahlbar.

Saint-Tropez, on s’amuse!

À bientôt, Karen

Karen Brom

Die Kolumnistin und Texterin Karen Brom findet überall ihre Geschichten und weiß sie mit viel Humor zu Papier zu bringen. Ihre Liebe zu Frankreich begann mit dem ersten French kiss von Jean-Luc. Für Aznavour, Austern und Ziegenkäse hat sie noch heute eine Schwäche.

Foto: Café Senequier CC/Bruce Tuten

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