frankreich-webazine.de

Joséphine Baker im Panthéon

Wäre das auch in Deutschland denkbar? Ein riesengroßes Gebäude mitten in der Hauptstadt, in dem die Großen des Vaterlandes ihre letzte Ruhe finden. Goethe neben Schiller … und eine Tür weiter Einstein neben Albrecht Dürer?

Das ist ein Phänomen, das wir in Deutschland nicht kennen: Die Verehrung von Verstorbenen, die vor vielen Jahrzehnten Großes für ihr Vaterland geleistet haben. In Frankreich ist die Überführung der sterblichen Überreste eines bedeutenden Mannes oder einer angesehenen Frau ins Pariser Panthéon immer eine weltbewegende Sache. Etwas, über das man spricht. Und eine Entscheidung, die von oberster Stelle getroffen wird, nämlich vom französischen Staatspräsidenten höchstpersönlich.

Grabstätte für berühmte Franzosen

Natürlich ist es heutzutage kaum mehr nachzuvollziehen, warum rund 70 Herren und nur wenigen Frauen diese Ehre zuteilwurde. Aus diesem Grunde beschloss im Jahr 2015 der damalige Präsident François Hollande, dass der Überführung „großer Frauen“ aus der französischen Geschichte ins Panthéon im Quartier Latin mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden solle.

pantheon paris

Nur 5 Frauen

Demnächst wird also wieder eine Frau ins Panthéon aufgenommen, die eine bedeutende Rolle in der französischen Geschichte spielte: Joséphine Baker, berühmte Künstlerin, Widerstandskämpferin und Aktivistin mit amerikanischen Wurzeln. Gestorben 1975 und beigesetzt in Monaco. Sie ist damit die erste nicht-weiße Frau, die einen Platz im Panthéon erhält. Und sie belegt Platz Nummer 6 auf der Liste der großen Frauen Frankreichs.

josephin baker

Ein eigenes Tätigkeitswort

Natürlich kommt nicht jedem Dahergelaufenen die Ehre zuteil, an diesem besonderen Ort die letzte Ruhestätte zu finden. Es sind einige Hürden zu überwinden, bevor es zur panthéonisation kommt (es gibt sogar ein eigenes Verb dafür, panthéoniser!). Ohne Zweifel beschäftigen sich vor dem großen Ereignis eine ganze Reihe von Experten und Beamte ausführlich mit dem Thema.

Joséphine Baker

Die Tatsache, dass Joséphine eine Frau ist, war sicherlich von Vorteil. Dennoch … ist sie bedeutend genug, um einen Platz an der Seite von anderen Heldinnen des Vaterlandes wie der Politikerin Simone Veil, bestattet 2018, und der berühmten Physikerin Marie Curie verdient zu haben (beide genießen in Frankreich ein enorm großes Ansehen)? Scheinbar hat Josephine die Abstimmung gewonnen.

josephone baker

J’ai deux pays

Der Präsidentenpalast ließ verlauten, Joséphine habe ihren Platz aufgrund ihrer Verdienste für die
Résistance und im Kampf gegen den Rassismus erworben. Außerdem sei sie die „Inkarnation der französischen Mentalität“ und habe sich im Laufe ihres Lebens als „herausragende Persönlichkeit“ hervorgetan. Eine Amerikanerin, die bewusst die französische Staatsangehörigkeit angenommen hat.

Widerstandskämpferin

Es war also ganz bestimmt nicht das Bananenröckchen, das für Joséphines Wahl ausschlaggebend war, sondern vielmehr ihr Einsatz fürs Vaterland während des Zweiten Weltkriegs. Bereits ab 1939 agierte sie als Spionin. Da sie ein hohes Ansehen als Künstlerin genoss, standen ihr alle Türen offen. Sie kannte fast jeden – bis hinauf in die allerhöchsten Kreise. Während der Auftritte und Partys gelangte sie an viele Informationen, die ihr im Widerstand von Nutzen waren.

Josephin Baker

Regenbogenkinder

Und dann war da noch ihr Einsatz gegen Rassendiskriminierung. Sie unterstütze aktiv den Kampf Martin Luther Kings auf der Weltbühne und bemühte sich auch persönlich, ein gutes Vorbild zu sein. In ihrem Château des Milandes in der Dordogne zogen Joséphine und ihr Mann 12 Adoptivkinder auf, die aus allen Ecken und Enden der Erde stammten. Die beiden nannten ihre Kinderschar „Regenbogenkinder“ und ließen damit sehen, dass Hautfarbe keine Rolle spielt.

Das alles überzeugte Monsieur le Président, Joséphine Baker als „groß genug“ für das Panthéon einzuordnen. Präsident Macron drückt mit dieser panthéonisation seinen Stempel auf die Interpretation der vaterländischen Geschichte. Und vermutlich träumt auch er insgeheim von seiner eigenen letzten Ruhestätte unter der gigantisch großen Kuppel in Paris …

Text: Coen Nihot Fotos: CC-BY j-NO (fotolijstje), Pexels (Pathéon), RMM / Harcourt (foto in uniform), Herbert Berens-WC (kinderen), Nicky Bouwmeester (getekende affiche)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.