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Louvre-Pyramide mit Trick

Und plötzlich war sie weg – welch ein genialer Einfall des Künstlers JR! Die Glas-Pyramide von I.M. Pei ist seit ihrer Errichtung im Jahr 1988 aus dem Pariser Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Oder doch? Der altehrwürdige Louvre ist nun wieder ohne „Hindernis“ zu bewundern. Nicky hat sich das angesehen.

JR Louvre Paris

Ich bin nicht die Einzige, die heute auf dem Weg zu den Tuilerien ist. In dem vollen Bus höre ich aus den Gesprächen zwei Mal das Wort „Louvre“ heraus. Neben mir sagt jemand: „Ich sah zwar heute Morgen noch ein Foto in der Zeitung, doch ich will es unbedingt selbst erleben!“ Aus dem erwartungsvollen Blick der älteren Dame kann ich nicht herauslesen, ob sie sich mehr auf das Kunstwerk freut oder auf den freien Blick auf den Louvre. Denn es scheint sie wirklich zu geben: Pariser, die sich seit 28 Jahren immer noch nicht mit der Glas-Pyramide, die Architekt I.M. Pei so frech vor den Louvre setzte, anfreunden können.

JR Louvre Paris

Nicht mehr wegzudenken

Die meisten Touristen sind anderer Meinung. Auf dem Museumplatz posieren viele Leute mit gebogenem Arm oder einem nach unten zeigenden Finger. Auf ihren Fotos soll es so aussehen, als ob sie die Spitze der Pyramide berühren würden. Dieser Scherz funktioniert derzeit nur an der Rückseite oder an den Seiten des Bauwerkes, denn an der zu den Tuilerien gerichteten Fassade hängt nun ein 21 Meter großes Plakat. In den letzten Tagen konnte man in der französischen Presse verfolgen, wie das Kunstwerk aus Einzelteilen zusammengesetzt wurde. Seit Mittwoch, 25. Mai, ist es vollendet.

JR Louvre Paris

Now you see it, now you don’t

Als ich dann selbst vor der Pyramide stehe, ist der Effekt noch beeindruckender als auf den Fotos. Läuft man vor der Pyramide hin und her, scheinen sich die Schwarz-Weiß-Fotos wie in einem Hologramm vor den Louvre zu schieben. Wieder einmal eine geniale Erfindung des 33-jährigen Künstlers JR, der im vergangenen Jahr 40 Balletttänzer auf dem Dach der Opéra Garnier tanzen ließ und vor 2 Jahren hunderte Gesichter auf das Pariser Panthéon klebte. Fotoplakate sind das Markenzeichen von JR – und sie sind immer schwarz-weiß. Vor allem deshalb, weil sie dann nicht mit Reklame verwechselt werden können. Aber auch, weil JR in seinen Anfangsjahren als Straßenkünstler nur einen Schwarz-Weiß-Drucker besaß, so scherzte er jedenfalls in einem Interview.

JR Louvre Paris

Der perfekte Spot

Vor der Pyramide heißt es seit heute: nach der perfekte Position für ein Foto suchen. Und zwar genau an dem Punkt, an dem die Perspektive stimmt und sich die Papier-Fassade mit der echten deckt. Das ist gar nicht so schwer, denn eine Reihe von Punkten markiert die Position. Die Leute warten geduldig, bis sie mit dem Fotografieren an der Reihe sind. Eigentlich schade, dass das Kunstwerk nur einen Monat zu sehen ist. Es scheint viele Fans zu geben. Auch mein 3-jähriger Sohn hat eine Zeitlang seinen Spaß. Doch dann interessieren ihn die Wasserfontänen rund um die Pyramide etwas mehr. 1-0 für Architekt Ming Pei würde ich sagen.

JR au Louvre, bis zum 27. Juni 2016. Mehr über den Künstler auf JR: www.jr-art.net

Text und Fotos: Nicky Bouwmeester

JR Louvre Paris
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