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Reportage

Schon einmal waren Josee und Carole auf der ViaRhôna, der Fahrradroute entlang der Rhône, unterwegs. Diesmal kam ihnen jedoch die Idee, einen Zwischenstopp einzulegen und die Umgebung zu erkunden. Ihre geplante ViaRhôna-Radtour landete also erst einmal auf dem Abstellgleis. Apropos Abstellgleis …

Wir sind in Tain l’Hermitage. Nicht zum ersten Mal, denn schon während unserer früheren ViaRhôna-Radtouren gehörte der Ort zu unseren Zwischenzielen Richtung Süden. Wir sind gerne Wiederholungstäter, denn hier kann man es prima aushalten! Ist man auf dem Weg in den Süden, dann spürt man in diesem Städtchen in der Drôme zum ersten Mal provenzalisches Flair. In guter Erinnerung waren uns außerdem das Schokoladenparadies im ValRhona-Museum und die E-Bike-Tour durch die Weinberge von Tain l’Hermitage. Dieses Mal bildet das hübsche Städtchen erneut den Startpunkt für eine kleine Spritztour in die Umgebung.

Le mastrou train Ardèche

Nostalgischer Start unserer Radtour

Die Dolce Via ist eine 90 km lange Radstrecke, die uns durch die Landschaft der Ardèche führen wird. Um von der ViaRhôna aus auf die „süße Straße“ zu kommen, überqueren wir die Rhône über eine fantastische, 184 Meter lange Brücke, die uns von Tain l’Hermitage nach Tournon bringt. Tournon ist ebenfalls ein idyllisches Städtchen, doch wir lassen es links liegen und radeln weiter zum 7 km entfernten Bahnhof des Train de l’Ardèche in Saint-Jean-de-Muzols. Dort stoppt eine historische Dampflok, die das Binnenland zwischen der Ardèche und Lamastre durchquert. Die Räder dürfen wir gratis mit in den Zug nehmen; dafür gibt es einen eigenen Wagon. Eineinhalb Stunden können wir uns dann auf den Holzbänken ausruhen und die nostalgische Reise entlang der gorges, der alten Minen und der klitzekleinen Dörfer genießen.

Am Ziel beginnen

Lamastre ist ein lebhaftes Städtchen, das zum Bummeln und zum Verweilen in einem der vielen Straßencafés in der Altstadt einlädt. Eigentlich ideal für eine Tasse Kaffee oder ein Mittagessen, doch uns zieht es weiter, denn wir sind neugierig. Die Dolce Via ist nämlich ein Rad- und Wanderweg, der größtenteils über eine ehemalige Eisenbahnstrecke verläuft. Unsere Tour: Wir nehmen erst die Route in westliche Richtung und kehren dann über eine Schleife nach Osten zurück auf die ViaRhôna, auf die wir bei La Voulte-sur-Rhône (40 km südlich von Tain l’Hermitage) treffen.

Dolce Via

Von Lamastre nach Cheylard

Unseren ersten Zwischenstopp legen wir 8 km hinter Lamastre, beim Marie Café ein, welches rund 1 km von der Route entfernt liegt. Dennoch ist es nicht zu übersehen, denn der Name steht groß auf einem Schild am Wegesrand. Wir biegen also ab und fahren zum kleinen Dorf Saint-Basile (das geht ordentlich den Berg hoch!). Die Spezialitäten im Marie Café sind die Mühe wert: l’Assiette Végetarienne, ein Teller voller Gemüse, und l’Assiette Bistro mit caillettes, gut gewürzten Frikadellen. Wir fassen das Mittagessen in 2 Wörtern zusammen: viel und lecker! Mit einer solchen Ladung im Magen können wir locker den Rest des Tages weiterradeln!

Unser Weg bringt uns durch eine liebliche, grüne und hügelige Landschaft. Für unser opulentes Mittagessen sind wir sehr dankbar, denn bis Cheylard (und auch dahinter) haben wir auf dem Weg kein einziges Restaurant entdecken können. Merkt euch Marie gut, falls ihr irgendwann selbst auf dieser Strecke unterwegs seid!

Cheylard eignet sich übrigens prima für eine Übernachtung, denn hier gibt es eine weitere Abzweigung der Dolce Via Richtung Saint-Agrève. Das sympathische Hôtel-Restaurant Le Commerce ist im Sommer eine beliebte Station für Radfahrer, die hier einfache, aber ordentliche Zimmer, eine Garage für Fahrräder, ein Schwimmbad und eine prima Terrasse, auf der man auch was essen kann, vorfinden.

Dolce Via

Von Cheylard nach Les Ollières-sur-Eyrieux

Mit einem Kaffee gestärkt treten wir guten Mutes weiter in die Pedale. Während der Fahrt genießen wir die prachtvollen Ausblicke auf den Fluss, der unter uns durch die schöne Landschaft fließt. Als wir im Dorf Saint-Martin-de-Valamas ankommen, fällt es uns jedoch wie Schuppen von den Augen: Wir sind bei Cheylard falsch abgebogen! Die Straße gabelt sich dort … und eine der Abzweigungen führt nach Saint-Agrève. Und dort sitzen wir jetzt also.

Nicht jammern, umdrehen und zurück! Erst nach Cheylard und dann den Schildern nach Richtung La Voulte. Und weil jeder Nachteil auch einen Vorteil hat, so merken wir jetzt, dass diese Teilstrecke leichter zu fahren ist, als sie aussieht: Wir düsen regelrecht zurück!

Doch wir wollen genau wissen, was wir falsch gemacht haben, und finden heraus, dass wir einen kleinen Wegweiser der Dolce Via übersehen haben. Diesmal lagen wir mit unserer eisernen Faustregel – bei Zweifel immer geradeaus – ziemlich daneben. Damit ihr nicht den gleichen Fehler macht wie wir, unser Tipp: Bei einer Radtour nicht blind auf die Beschilderung vertrauen, sondern besser eine Karte oder ein GPS mitnehmen.

Echtes Ardèche-Feeling

Auf dem letzten Abschnitt des Tages, auf der Strecke nach Ollières-sur-Eyrieux, werden wir mit einer Fahrt durch das Eyrieux-Tal belohnt. Es fühlt sich an, als ob wir durch die Gorges de l’Ardèche radeln würden! Massive Felsbrocken halten den Fluss in Zaum, der sich manchmal über kleine Wasserfälle Auswege sucht, dann aber wieder von kleineren und größeren Staudämmen ausgebremst wird. Die schönen Ausblicke lenken davon ab, auf den Weg zu achten, der streckenweise aus Kiesel besteht. Unserem Gefühl nach geht es leicht bergab. Ideal für eine entspannte Nachmittagstour.

La Dolce Via

Der perfekte Ort für einen Zwischenstopp

Kurz vor Schließungszeit kommen wir auf dem Campingplatz Le Mas de Champel in Ollières-sur-Eyrieux an. Der Campingplatz liegt direkt an der Dolce Via, und wir können noch mal kurz in den Pool hüpfen, bevor wir im Restaurant Platz nehmen. Wir verbringen die Nacht in einem Mobilhome, können es aber nicht lassen, noch schnell einen Blick in die Radler-Zelte und Tipis zu werfen, die ebenfalls auf dem Campingplatz stehen. Sie sind wie geschaffen für Radfahrer, die auf dieser Route unterwegs sind! Die Lage ist ebenfalls perfekt; auch um einen Tag zu pausieren, mit einem Kanu oder Kajak das Tal zu erkunden oder sich im Abenteuer-Parcours Aquarock (klettern, abseilen) auszutoben.

Camping Mas de Champel

Zurück zum Ausgangspunkt

Am nächsten Tag fahren wir das letzte Stück unserer Tour gutgelaunt über ein nigelnagelneues Stück der Dolce Via. Es bringt uns durch eine bewaldete Gegend nach Saint-Laurent-du-Pape, von wo aus wir weiter über La Voulte-sur-Rhône zurück auf die ViaRhôna und zu unserem Startpunt, Tain l’Hermitage, kommen. Das waren dann noch einmal gut 30 Kilometer mit dem Fahrrad.

Zusammenfassung:

Die Dolce Via ist eine Fahrradrunde, die ihr – wenn ihr Zug oder Bus mit einbezieht (siehe unten) – in minimal 2 Tagen schaffen könnt, die sich aber auch leicht auf 3 bis 4 Tage ausdehnen lässt. Und es lohnt sich: Die Dolce Via ist eine bildschöne Strecke! Mit einer gut gefüllten Radtasche (französische Delikatessen!) und vollen Wasserflaschen fühlt sich die Tour an wie ein Mini-Urlaub.

La Dolce Via Ardèche

Doch für uns war der Spaß noch lange nicht vorbei. Wir unternahmen noch eine ganz andere, aber ebenso überraschende Radtour auf der anderen Seite der Rhône, in der Drôme. Bald erfahrt ihr mehr über diese Radtour durch das Isère-Tal.

Praktische Infos zur Dolce Via

Wir nahmen den nostalgischen Dampfzug „Le Mastrou“ zum Startpunkt unserer Radtour in Lamastre. Zwischen 1. April und 30. November könnt ihr auch in den lokalen Radbus einsteigen, der im Juli und August 4 x am Tag zwischen Valence und Cheylard fährt (bitte beachten: Am Wochenende verkehrt er nicht so häufig). Weitere Infos bzgl. des Dienstplanes findet ihr hier.

Wir hatten nur eine grobe Übersichtskarte dabei, doch besser ist es auf jeden Fall, sich eine detaillierte Landkarte zu kaufen und/oder die Dolce Via-Route herunterzuladen. Praktisch: Auf dieser stehen auch alle Restaurants und Unterkünfte entlang der Route.

Die Radtour könnt ihr auch prima zusammen mit Kindern unternehmen, doch plant dann genug Zeit ein, denn auf der Strecke gibt es auch ein paar Steigungen, die man als solche nicht erkennt („faux plat“), die aber in den Waden zu spüren sind. Es gibt auch Reiseveranstalter, die organisierte Radtouren anbieten (mit Übernachtung und Gepäcktransport).

Schöne Zwischenstopps unterwegs: Aquacentrum Eyrium, am Lac des Collanges, mit Schwimmbad und Rutschen (rund 4 Kilometer von Cheylard entfernt), Kanu-/Kajakfahren oder der Abenteuerparcours bei Ollières-sur-Eyrieux.

Tipp fürs Mittagessen: Es gibt mehr schöne Picknickplätze als Restaurants unterwegs, nehmt also Baguette und leckeren Käse mit, damit ihr unterwegs etwas zu essen habt.

Die Route ist leicht: Schwierigkeitsgrad 1 (von insgesamt 4) mit einer durchschnittlichen Steigung von 3%. Der Radweg besteht größtenteils aus Kies und ist dadurch weniger für Rennräder geeignet.

Radverleihstationen (normale Räder, Mountainbikes oder E-Bikes) gibt es in Ollieres-sur-Eyrieux, Saint-Martin-en-ValamasLamastre, Tournon-Saint-Jean und Saint-Agrève. Wir mieteten bei Intersport in Tournon ein E-Bike für 39€/Tag inkl. Fahrradtaschen. Bei ihnen könnt ihr das Rad auch in einer anderen Filiale, z.B. in Saint-Agrève, wieder abgeben. Reservierungen über: Intersport +33(0)4 75 08 54 17.

UNTERKÜNFTE: Wir übernachteten in Tain l’Hermitage im zentral gelegenen Hotel Pavillon de l`Ermitage, das in 2019 einen komplett neuen, hippen Look sowie einen neuen Namen verpasst bekommt. Zudem wird es um eine große Terrasse, einen Pool und ein Spa erweitert. Es gibt auch einen guten Campingplatz direkt an der ViaRhôna: Camping Municipal am Stadtrand. Hier erfahrt ihr mehr über die anderen Unterkünfte und Restaurants in Tain und Tournon.

Weitere Infos über die Teilstrecken der Dolce Via findet ihr auf der Website Ardèche-guide.com.

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La Dolce Via Ardèche

Eine Antwort zu “La Dolce Via, schöne Rad-Nebenstrecke der ViaRhôna”

  1. Julia sagt:

    Danke für diesen Bericht! Sonst wären wir vermutlich nicht auf die Idee gekommen, diesen unbedingt lohnenden Abstecher zu machen. An der Abzweigung waren wir gewarnt (war wirklich sehr diskret beschildert), dafür suchten wir anfangs in Lamastre etwa eine halbe Stunde nach dem „Einstieg“. Die Route beginnt trotz grosser Schilder eben nicht unten am Parkplatz, sondern weiter oben links (genau dort, wo ein Schild nach rechts unten zeigt…). Die Fahrt entlang der Eyrieux gehört zu den schönsten Radstrecken, die wir je gefahren sind, und das will durchaus etwas heissen.

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