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Reportage

Das Fahrradabenteuer vom letzten Jahr machte Lust auf mehr. Also traten Carole und Josée erneut in die Pedale, um den südlichen Teil der ViaRhôna abzufahren. Sie starteten in der Ardèche und kamen 5 Tage später in der Camargue am Mittelmeer an.

Eines möchten wir noch klarstellen: Wir fahren gerne Rad, doch wir sind keine Langstreckenradler. Daher war die komplette Route der ViaRhôna mit einer Gesamtlänge von 815 km, von Genf bis in die Provence, für uns keine Option. Und das war auch gar nicht nötig, denn man kann die Strecke prima in Etappen abfahren. Wir teilten sie in zwei Hälften auf: Letztes Jahr starteten wir in Savoyen und fuhren durch das Rhône-Tal bis in die Ardèche und Drôme. Und dort machten wir jetzt weiter mit dem Ziel, die Sonne im Mittelmeer untergehen zu sehen. Dieses Mal umfasste die Route rund 200 km und wir legten sie größtenteils mit dem Fahrrad, teilweise auch mit dem Zug zurück. Hier folgen ein paar Eindrücke von unserer Radtour du Soleil

Mit dem Rad durch die Ardèche

Wir starteten in der Ardèche bei Tournon, um dann Richtung Süden über Tain l’Hermitage, Montélimar, Avignon, Tarascon, Arles und down under zum Zielpunkt am Meer zu radeln: Port-Saint-Louis-du-Rhône. Die Route von Tournon nach Montélimar führte durchs Grüne (ausgenommen das Gelände eines Atomkraftwerkes), wobei das Highlight die Passerelle himalayenne war. Die ist eine lange Metallbrücke, die bei Mistral-Wind von der Seite wahrlich eine Herausforderung für Radfahrer ist. Blond wie wir sind, hatten wir nämlich KOMPLETT das Schild übersehen, auf dem stand, dass man vom Rad absteigen und schieben soll. Macht es also lieber gleich richtig!

Mit dem Rad entlang der Rhone: Tournon und Bourg-Saint-Andeol

Von Montélimar nach Avignon (Drôme/Provence)

Die Strecke von Montélimar – über Viviers – nach Bourg-Saint-Andéol war für uns eine der schönsten Etappen der gesamten Route. Eine von Wäldern und Weinbergen geprägte, abwechslungsreiche Landschaft. Bei Pierrelatte stiegen wir in den Zug nach Avignon (das Rad durfte mit!) und von dort konnten wir vom Bahnhof zum Hotel im Zentrum radeln. Avignon hat innerhalb der Stadtmauern nur wenige Parkplätze für Autos und ist daher nahezu autofrei. Herrlich! Mit dem Fahrrad oder zu Fuß kann man prima die Altstadt erkunden! Wir haben alle unsere Insider-Tipps aus Avignon für euch zusammengefasst.

Mit dem Rad entlang Avignon

Über Tarascon nach Arles (Provence/Camargue)

Hoppla, dann wurde es kompliziert. Der ViaRhôna-Radweg zwischen Avignon und Arles war nämlich 2016 noch nicht ganz fertig, und so haben wir Avignon bei der Porte Saint-Michel verlassen und sind Richtung Rogognas gefahren. Dann erreicht man über die D35 die Ausfahrt nach Tarascon. Letztendlich war das eine prima Alternative, denn auf der Straße gibt es einen rot gekennzeichneten Radfahrstreifen. Außerdem kommt man an schönen provenzalischen Dörfern wie Barbentane und Boulbon vorbei. Einen kleinen Umweg wert! Auch für die Strecke zwischen Tarascon und Arles schien es noch keinen offiziellen ViaRhôna-Weg zu geben und wir wählten La Petite Route d’Arles, eine alte Straße durch Felder voller Sonnenblumen, auf der fast keine Autos fahren. Hier kann man sehr gut nachvollziehen, dass Vincent van Gogh von der Landschaft verzaubert war! Der einzige Nachteil ist, dass man sowohl am Anfang als auch am Ende an einem Industriegelände entlang fährt. Naja, wenn das alles ist…

ViaRhona-Weg von Avignon nach Arles

Mit dem Rad durch die Camargue

Arles verlässt man natürlich erst dann, wenn man sich etwas von der römischen Architektur angesehen hat. Wir gingen vom Forum zum Amphitheater. Hier kann es recht voll werden, denn das sind wahre Touristenmagnete. Doch wenn man davor steht, weiß man auch warum. Nach Arles beginnt – was die Landschaft betrifft – die echte Camargue! Auf der Arles-Landkarte, die wir beim Office du Tourisme bekamen, haben wir die richtige Ausfahrt von Arles finden können, sodass wir schnell die uns vertrauten ViaRhôna-Schilder zurückfanden. Schon nach 8 km erwartete uns die erste Überraschung: die kleine Zugbrücke, die Vincent van Gogh in seinen Bildern verewigte. Sie steht hier noch immer und ist ein fantastisches Fotomotiv!

die kleine Zugbrücke von Van Gogh in Arles

Sumpf und Wildpferde

Danach kamen wir aus dem bebauten Gebiet in die raue Natur der Camargue. Aus dem Asphaltweg wurde Schotter, aus den Bäumen am Wegesrand Rietgras. Die nächsten 40 km fuhren wir an einem Kanal entlang (abgeleitet aus der Rhône) und vorbei an Weiden, Kornfeldern und – ja, auch das haben wir gesehen – Reisanbaugebieten, die letztendlich in eine Dünenlandschaft übergehen. Auf halber Strecke empfiehlt sich ein Zwischenstopp bei Marais de Vigueirat, einem wunderbaren Naturpark, der zum Essen und Spazierengehen einlädt. Typisch Camargue, inklusive Sumpf, Wildpferde und Flamingos! Außerdem mit vielen schönen Aussichtspunkten. Hier konnten wir Energie für unsere letzte Strecke nach Port-Saint-Louis-du-Rhône tanken. Dieser Badeort mit Fischerhafen machte deutlich, dass wir bald am Meer sein werden. Doch als wir uns schon fast dort glaubten, hörte der Radweg plötzlich auf! 5 km vor Port-Saint-Louis blieb uns nichts anderes übrig, als auf einer schmalen Spur entlang der Route Nationale zu fahren. Keine angenehme Geschichte, vor allem dann nicht, wenn man mit Kindern unterwegs sein sollte. Doch so kurz vor dem Ziel wollten wir nicht mehr aufgeben. Übrigens hatten wir uns erkundigt: Ende 2016 war auch dieses letzte Stückchen des Radwegs fertig.

Radweg ViaRhona in der raude Natur der Camargue

Meer!

Nach 5 Tagen Radfahren hatten wir unsere Endstation erreicht. Wir wollten jetzt nur noch unsere Füße in den Sand stecken und das Salzwasser des Mittelmeers genießen. Von Port-Saint-Louis sind es noch rund 8 km Durchstrampeln bis zum Meer. Wir haben erfahren, das in der Camargue rund 14 Radwege* ausgebaut wurden, sodass ihr nicht über die ViaRhôna zurückfahren müsst. Ihr könnt beispielsweise die Route 9 nehmen: Der Circuit des flamants roses et du sel führt an Flamingo-Seen, Salzflächen und Weiden mit Pferden und Stieren entlang. Hier sieht man die echte Camargue!

* Die Landkarte mit den 14 Radwegen (8,50 €) bekommt ihr bei den Offices du Tourisme von Arles, Port-Saint-Louis-du-Rhône und Saintes-Marie-de-la-Mer. Inklusive separater Faltkarten.

Mit dem Rad entlang der Rhone über die ViaRhôna: unsere Füße im Sand

Gut zu wissen

Wir mieteten E-Bikes beim Radverleih Cycletic in Lyon. Empfehlenswert, wenn ihr in Lyon losfahrt, doch sie bringen die Fahrräder (wie in unserem Fall) auch zum Hotel in der Umgebung und/oder sie holen die Räder (gegen Bezahlung) auch am Zielpunkt wieder ab. Auch entlang der ganzen ViaRhôna gibt es gute Fahrradvermietungen: An 35 Stationen kann man E-Bikes bekommen: Die Mietdauer reicht von einem halben Tag bis zu einer Woche im Zeitraum von 27. April bis 17. Oktober. Wo sie sind und wie es funktioniert erfahrt ihr auf der Website der ViaRhôna. Wenn ihr in der Provence Urlaub macht und dort ein paar Tage Rad fahren möchtet, dann ist Sun-Ebike empfehlenswert. Sie haben auch einen Pannenservice, einen Gepäck-Transport und man bekommt Gratis-Fahrradtaschen, wenn man ein Rad mietet.

Bei dieser Radtour lernten wir auch einiges über den Mistral. Der sorgte nämlich auf der ganzen Strecke für Rückenwind. Wir werden also NIEMALS mehr vergessen, dass dieser für diese Region so typische Wind immer aus dem Norden kommt. Das sollte man bei der Wahl der Fahrtrichtung immer im Hinterkopf behalten, denn als Gegenwind ist mit dem Mistral nicht zu spaßen.

Möchtet ihr mehr über die Routen und Etappen der ViaRhôna erfahren, dann schaut mal bei viarhona.com vorbei. Dort findet ihr allerlei praktische Informationen über das Radfahren entlang der Rhône, außerdem noch GPS-Routen zum Herunterladen sowie – praktisch für Familien – eine Übersicht der kinderfreundlichsten Strecken.

Erfahrt auch mehr über den ersten Abschnitt unseres Fahrradabenteuers auf der ViaRhôna von Savoyen bis zur Ardèche, bei dem wir unterwegs die verrücktesten Sachen erlebten.

AUCH INTERESSANT:
Josee und Carole radeln auf der ViaRhôna

2 Antworten zu “Getestet: ViaRhôna, Radweg entlang der Rhône, Teil 2”

  1. monika sagt:

    Super! Ich hab mir grade ein E-Bike gekauft und werde von Lyon wegfahren. (Da wohne ich nämlich!) Mein Mann hat die Strecke letztes Jahr mal mit dem „normalen“ Rad gemacht… war schon ne stramme Leistung, ich bevorzuge das E-Bike! Danke für die Tipps.

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