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Verhaltenstipps für erfolgreiche Geschäftskontakte mit Franzosen

Deutsche und Franzosen sind zwar geografisch gesehen Nachbarn, aber Mentalitätsunterschiede gibt es dennoch. Fakt ist: Wenn es ums Geschäft geht, treten zwischen Deutschen und Franzosen immer wieder Missverständnisse und Verwirrungen auf, die mit kulturellen Eigenheiten zu tun haben.

Für alle, die in Frankreich arbeiten, geschäftliche Beziehungen zu dem Land pflegen oder dies in Erwägung ziehen, haben wir nachfolgend einige Tipps zusammengestellt. So könnt ihr euch an ein paar Unterschiede schon im Vorhinein gedanklich gewöhnen und euch so verhalten, dass euer französisches Gegenüber nicht brüskiert wird. Eine gute Grundlage für erfolgreiches Business!

Smalltalk gehört dazu

Die Grundlage jeder geschäftlichen Beziehung sind der Aufbau einer guten Vertrauensbasis und ein freundlicher Austausch, der auch mal über geschäftliche Themen hinausgehen kann. Den Franzosen ist das besonders wichtig. Während Deutsche beim Geschäftsessen gerne schnell zum Punkt kommen, wollen die Franzosen ihren potenziellen Geschäftspartner lieber erst mal beschnuppern und die Dinge in Ruhe angehen lassen. Das Harmonieren auf persönlicher Ebene ist also eine wichtige Voraussetzung, um einschätzen zu können, ob die Kooperation auf geschäftlicher Ebene ebenso funktionieren kann. Dementsprechend hoch ist die Gefahr, dass faktenorientierte, direkte Ansprachen eher als unhöflich empfunden werden. Versucht, diesen ausgedehnten Smalltalk zum Anlass zu nehmen, um euer Gegenüber etwas besser kennenzulernen und einzuschätzen. Werdet aber dabei nicht gleich zu persönlich, sondern tastet euch langsam heran. Deutsche haben manchmal die Tendenz, ein bisschen zu direkte Fragen zu stellen. Als „Eisbrecher“ kommen zum Beispiel immer gut kulturelle Themen wie Musik, Kunst oder Literatur an.

Sich die Zeit nehmen

Auch was das Zeitliche betrifft, solltet ihr eine extra Portion Geduld mitbringen. Vermeidet es bei Meetings oder Geschäftsessen, zu oft auf die Uhr zu schauen. Das könnte eurem Gegenüber das Gefühl geben, euch sei das Gespräch nicht wichtig oder ihr würdet euch langweilen. Viele Franzosen haben nicht dasselbe Zeitverständnis wie Deutsche. Falls euer Geschäftspartner nicht ganz pünktlich zum vereinbarten Termin erscheint, ist das nicht immer ein Zeichen von Nachlässigkeit. Nehmt es also nicht gleich persönlich.

„C’est moi le patron!“

Daniel Auteuil Der klassische Führungsstil von deutschen und französischen Vorgesetzten wird als sehr konträr angesehen. Deutsche Manager gelten als besonders konsens- und kompromissbestrebt und beziehen gern das Team in die Entscheidungen ein. Die Mitarbeiter haben dadurch auch mehr Verantwortung. In Frankreich hingegen werden Entscheidungen lieber von oben delegiert und Hierarchieebenen stärker eingehalten. Der Führungsstil gilt eher als individualistisch und autoritär. Stellt euch also darauf ein, dass ihr euch diesbezüglich etwas anpassen müsst.
Französische Manager bemühen sich jedoch in der Regel sehr stark um ein gutes persönliches Verhältnis zu ihren Mitarbeitern und vermitteln ihnen das Gefühl, dass ihnen ihre Meinung am Herzen liegt und in Entscheidungsprozesse mit einfließt. Das mag auch ein Grund dafür sein, warum viele Franzosen den Managementstil ihres Chefs als gar nicht so frontal empfinden und mit dieser Kommunikationsweise sogar sehr gut klarkommen.

Gespräche anstatt Mails

Franzosen behandeln anstehende Themen lieber mündlich als schriftlich. Endlose Mails oder ein „schwarzes Brett“, so wie man es aus Deutschland kennt, treffen bei den Franzosen eher auf Stirnrunzeln und sprechen gegen das Prinzip des persönlichen Austauschs. Greift also bei einem Anliegen lieber zum Telefonhörer oder sucht das persönliche Gespräch anstatt eine Mail zu schreiben.

Parlez-vous français?

Dass alle Franzosen Fremdsprachenmuffel sind, ist nicht wahr. Viele können sich in mindestens einer weiteren Sprache (in der Regel Englisch) flüssig verständigen. Für die Jobsuche in Frankreich ist es dennoch von Vorteil, wenn ihr wenigstens konversationssicher im Französischen seid, da dies die Reichweite an potenziellen Jobs deutlich erhöht und ihr auch in französischsprachigen Jobportalen oder Gruppen nach interessanten Angeboten suchen könnt. Es erleichtert euch außerdem das Knüpfen von Kontakten. Außerdem kommt es bei den Franzosen immer gut an, wenn ihr ihre Sprache versteht und euch Mühe gebt, sie zu praktizieren. Bei geschäftlichen Beziehungen wird, genauso wie in Deutschland, auf die förmliche Anrede gesetzt.

La delicatesse

Offen für Neues

Das Thema Spontaneität bringt die deutschen „Meister der Organisation“ zur Verzweiflung. Sie halten sich lieber an genaue Pläne und schrittweises Vorgehen und sind bei ungeahnten Zwischenfällen dementsprechend weniger flexibel als Franzosen. Diese hingegen nutzen Pläne lieber als Orientierung, sind offen für Neues und passen die nächsten Schritte erst im Laufe des Arbeitsprozesses oder während des Meetings an. Falls ihr gern alles nach Plan macht, solltet ihr euch bemühen, diese etwas spontanere Arbeitsweise zu akzeptieren und euch vielleicht eine Scheibe davon abschneiden, um das Business erfolgreich weiterzuführen. Sonst könntet ihr von euren Kollegen schnell als engstirnig wahrgenommen werden, und das blockiert leicht den konstruktiven Austausch.

Und ein Küsschen?

Allen ist bekannt, dass Franzosen das Küsschen zur Begrüßung benutzen („la bise“). Dies gilt jedoch nicht in der Geschäftswelt. Hier solltet ihr euch für Begrüßung und Abschied lieber auf den Handschlag einstellen. Erst, wenn es auch auf persönlicher Ebene gut passt und sich das rein geschäftliche Verhältnis zu einem freundschaftlichen entwickelt, wird zum Küsschen übergegangen (zwischen Männern ist das allerdings eher unüblich). Wie oft geküsst wird (zwischen 2- und 4-mal) kommt darauf an, in welcher Region von Frankreich ihr euch befindet. Wenn ihr euch nicht sicher seid, dann beobachtet am besten die Gestik eures Gegenübers oder fragt einfach nach.

Dies ist ein Gästeblog von EuroRekruter, dem Deutsch-Französischen Stellenportal.

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