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Den Weinkenner vortäuschen

Ihr seid bei euren französischen (Ferienhaus-) Nachbarn eingeladen und auf den Tisch kommt eine gute Flasche Wein – ein Zeichen von Gastfreundschaft! Doch wie viel Ahnung habt ihr von Wein? 8 Tipps für alle, die noch Schwierigkeiten mit Rebsorten und Aromen haben.

1. Die Situation richtig einschätzen

Staub auf der Flasche, alte Jahrgänge und Begriffe wie Cru classé oder Grand Cru auf dem Etikett sind wichtige Merkmale. Doch auch die glänzenden Augen des Gastgebers weisen oft darauf hin, dass er etwas Besonderes aus dem Weinkeller geholt hat. Wenn er dann noch das Etikett subtil in euer Blickfeld rückt, dann steht was Besseres auf dem Tisch als ein lokaler Hauswein.

2. Den Gastgeber aus der Reserve locken

Weist alles auf einen guten Tropfen hin, dann keine Panik: ein Pétrus oder ein Romanée-Conti wird es schon nicht sein. Doch die Chancen stehen gut, dass eure Nachbarn einen Wein in der Preisklasse zwischen 20 und 50 Euro entkorken. Ihr könnt ihnen nun mitteilen, dass ihr die Qualität des Weines erkannt habt, indem ihr sagt: „Tiens, c’est une belle bouteille!“ (Schau an, welch eine gute Flasche Wein!). Ein sicherer und strategischer Zug, denn der Gastgeber wird euch jetzt bestimmt erzählen, welch guten Wein er für euch ausgesucht hat.

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3. Erst einmal abwarten

Ihr wisst jetzt, dass ihr etwas Köstliches bekommt und ihr seid sicher neugierig. Doch lasst euch Zeit, bevor ihr das gefüllte Glas nehmt. Klingt vielleicht selbstverständlich, doch manchmal neigt man dazu, schon mal einen Schluck zu probieren, währenddessen die Gastgeber noch in der Küche beschäftigt sind. Not done in Frankreich. Hier wird manchmal quälend lange gewartet, bis auch der allerletzte Gast anwesend ist und jeder zum Anstoßen bereit ist.

4. Zuprosten comme il faut

Um sich zuzuprosten, hält man das Glas hoch und sagt: santé oder (noch beliebter) tchin-tchin. Anstoßen ist nicht notwendig, und in einigen Gesellschaftskreisen auch nicht üblich – also wartet am besten ab, was eure französischen Gastgeber tun. Beim Zuprosten gilt das Gleiche wie bei uns: sich in die Augen sehen (doch den Scherz mit „10 Jahre schlechter Sex, wenn man sich nicht anschaut“, den könnt ihr besser lassen).

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5. Schwenken und riechen

Und jetzt geht’s los, aber – halt! – noch nicht trinken. Erst einmal dem Glas einen leichten Schwenker versetzen (eine kontrollierte Handbewegung, denn das Sofa soll sauber bleiben), um den Wein durch das Glas fließen zu lassen und dann die Nase hinein zu halten. Sofern man die Prozedur nicht übertreibt, dann ist dies in Frankreich ein beliebtes Ritual. Auch die Weinverkostungen zu Hause beginnen immer mit dem Riechen. Doch haltet euch mit spontanen Kommentaren über das Aroma (Gefahrenzone!) erst einmal zurück, ein erwartungsvolles Nicken ist vorerst genug. Besonders Strebsame können beginnen mit „Mmm, un joli nez …“ (Mmmhh – welch ein volles Bouquet!“).

6. Und jetzt geht’s los!

Jetzt wird’s anstrengend. Nehmt den ersten Schluck leicht schlürfend (die Luft beim Trinken so zwischen den Lippen durchziehen, dass man es hören kann) und macht dabei eine konzentrierte Miene. Das war das Schwierigste, jetzt müsst ihr eigentlich nur noch lächeln und sagen: „Ah oui, très bon ce vin“. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Win-win-Situation, denn wenn der Wein doch nicht so besonders ist, dann halten euch die Franzosen für höflich. Und wenn es ein hervorragender Wein ist, dann wird man sich freuen. („Siehst du Schatz, die Deutschen kennen sich mit Wein aus …“)

7. Ein gutes Ende

Jetzt seid ihr in Fahrt und werdet vielleicht sogar etwas übermütig. Haltet euch lieber zurück und verzichtet auf „Ich liebe Merlot!“, wenn ein Bourgogne (100% Pinot noir) im Glas ist, sonst war alles umsonst. Und geht die Sache langsam an, selbst wenn euch der Wein hervorragend schmeckt. Denn wenn es wirklich ein solch guter Tropfen ist, dann haben die Nachbarn höchstens ein Exemplar davon. Und es wäre peinlich für sie, wenn der Boden der Flasche schon nach einer halben Stunde zum Vorschein käme.

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8. Um eine Erinnerung bitten

Noch ein Tipp, bevor ihr aufbrecht: Fragt nach, ob ihr ein Foto vom Etikett machen dürft als Erinnerung an diesen unvergesslichen Abend: Vous permettez? Das sieht aus wie das ultimative Kompliment an den Gastgeber und bietet euch außerdem die Möglichkeit, zu Hause mehr über den Wein zu recherchieren. Es gibt nämlich eine praktische App, mit der ihr anhand des Fotos mehr über Qualität und Preis eines Weines erfahrt. Danach wisst ihr ganz genau, ob euch der Nachbar mit einem billigen Wein in einer hochwertigen Flasche an der Nase herumgeführt hat.

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Tekst: Nicky Bouwmeester Beeld: Pierre Metivier (etiketten), Le Vin Parfait (kurken), Lyn Rostertater (fles bordeaux).

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