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7 Ärgernisse in französischen Restaurants

Die französischen Kellner sind in den letzten Jahren spürbar freundlicher geworden und sprechen sogar immer öfter Englisch. Über die Bedienung können wir uns also kaum noch beschweren, aber manches nervt uns im Frankreichurlaub trotzdem nach wie vor.

Wir vom frankreich-webazine.de schwärmen so oft vom Essen in Frankreich, dass wir unsere Begeisterung ruhig ab und zu mal relativieren können. Klar, in Sachen Gastronomie macht den Franzosen keiner was vor, doch es gibt auch Dinge, die wir in französischen Restaurants und Kneipen nicht so prickelnd finden.

1. Automatisch die englische Karte hinlegen

Bestimmt ist es gut gemeint, aber wenn der Kellner einem ohne zu fragen gleich die englische Speisekarte reicht, fühlt man sich schon, als habe man ein Schild umhängen, auf dem groß TOURIST steht. Da denkt man sich: Habe ich dafür den Französischkurs gemacht? Und selbst wenn man sich damit schwertut, eine französische Speisekarte zu lesen, ist es doch ganz praktisch, wenigstens eine Karte auf Französisch auf dem Tisch zu haben. Woher soll man denn sonst wissen, dass dieser komische „Rooster in red wine“ ein Coq au vin sein soll?

2. Ungefragt die Rechnung servieren

Man hat sein Glas noch längst nicht ausgetrunken, da legt einem die Bedienung auch schon die Rechnung auf den Tisch: „Je peux encaisser s’il vous plaît?“ Äh … hallo? Wir hatten doch noch gar nicht um die Rechnung gebeten, vielleicht wollen wir ja auch noch was bestellen? Ist das etwa ein Rausschmiss? Keineswegs: In Frankreich heißt das einfach nur, dass der Kellner oder die Kellnerin Feierabend hat und ein Kollege bzw. eine Kollegin den Tisch übernimmt. Man darf ruhig sitzen bleiben, muss nur eben zwischendurch die Rechnung bezahlen. Für Franzosen ganz normal, aber für uns fühlt sich das irgendwie ungastlich an.

Ungefragt die Rechnung servieren

3. Erster und zweiter Durchgang

Nerviges Phänomen in Paris und anderen französischen Großstädten: Schon bei der Reservierung wird man darauf hingewiesen, dass man bitte bis 21.30 Uhr aufgegessen haben sollte, denn danach ist der Tisch schon wieder für die nächsten Gäste reserviert. Zum Glück wird das in der Regel nicht ganz so streng gehandhabt, aber schon die Mitteilung wirkt ziemlich arrogant. Gerechterweise müssen wir einräumen, dass bestimmte populäre Restaurants auch bei uns zunehmend so arbeiten. Es ist also kein rein französisches Problem, trotzdem nicht gerade angenehm.

4. Landgasthöfe, die um 14.00 Uhr schließen

Während obiges Ärgernis vor allem die Hauptstadt betrifft, kann man auf dem Land wiederum ganz andere Überraschungen erleben: Öffnungszeiten nämlich, wie man sie eher von Behörden erwarten würde. Wer hier nach 13.30 Uhr noch ein Mittagessen möchte, muss vielerorts hungrig wieder abziehen. Nach 14.00 Uhr bekommt man oft nicht mal mehr kalte Speisen, auch wenn noch viele Gäste am Tisch sitzen.

Landgasthöfe, die um 14.00 Uhr schließen

5. Teures Mineralwasser statt Wasser aus dem Hahn

Eigentlich wollte man nur etwas Leitungswasser zum Wein, doch der Kellner tut so, als verstünde er nichts, und serviert einfach ein Flaschenwasser – zu saftigen Preisen. Zugegeben, bei uns ist es oft noch schlimmer: In Deutschland kann man meistens gar kein Leitungswasser bestellen. In Frankreich heißt das Zauberwort „carafe d’eau“. Restaurants sind dann verpflichtet, normales Wasser aus dem Hahn abzufüllen.

6. Platzierung nach Aussehen

Vor einigen Jahren machten Skandalmeldungen die Runde: Trendige Restaurants in Paris ließen nur „schöne“ Menschen auf der Terrasse sitzen. Die betreffenden Lokale gelobten Besserung, doch eine berühmte Brasserie wie das Lipp im Viertel Saint-Germain macht seit einem Jahrhundert fast dasselbe. Schon Hemingway beklagte sich über die Verteilung der Gäste auf den unteren und den oberen Saal des Restaurants, bekannt als „Himmel“ bzw. „Hölle“. Allzu auffällige Touristen wurden – und werden – direkt ins dunkle Obergeschoss (die Hölle) verbannt, wo ihr Anblick weniger stört.

7. Hauptsache Fleisch

Nach und nach springen auch die Franzosen auf den vegetarischen Zug auf. Sogar der berühmte Koch Alain Ducasse hat sich getraut, rotes Fleisch von der Karte seines Drei-Sterne-Restaurants im Plaza Athénée zu streichen. Trotzdem ist in einem durchschnittlichen französischen Restaurant ein ordentliches Stück Fleisch (oder Fisch) nach wie vor der Mittelpunkt nahezu jeden Gerichts. Der Rest auf dem Teller ist eher Beiwerk und absolute Nebensache. Was jammerschade ist, denn gerade in Frankreich gibt es so viel gutes Gemüse und köstliche Gemüsegerichte!

Text: Nicky Bouwmeester Bilder: Restaurant Mollard in Paris, CC Corinne Moncelli, CC/PSJ de Vries (Straßencafé), CC/Nicky Bouwmeester

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Eine Antwort zu “7 Ärgernisse in französischen Restaurants”

  1. Mia sagt:

    Danke für die Einblicke in der französische Gastronomie. Ich erinnere mich noch allzu ungerne, daran in den 90er Jahren dort auch eher schlecht als recht bedient worden zu sein. Seit dem habe ich dann auch eher im deutschsprachigem Raum das Mittagsbuffet genossen.

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