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Die neuen Höhlen von Lascaux: 5 Fragen & Antworten

Morgen wird „Lascaux IV“ eröffnet, die langersehnte Nachbildung der weltberühmten Höhle in der Dordogne. Wie ist sie geworden? Welche Bedeutung hat sie für Fans der Prähistorie? Und wieso heißt sie eigentlich Höhle „Nummer 4“?

Lascaux IV: Hightech-Prähistorie im Périgord

François Hollande war schon dort. Und wie es sich für einen Präsidenten gehört, durfte er als Erster hinein. Die meisten anderen Dordogne-Liebhaber dagegen müssen sich noch bis zum nächsten Urlaub gedulden. Eigentlich ein seltsames Timing, diese weltberühmte Höhlen-Nachbildung im Dezember zu eröffnen. Doch was auch immer die Gründe dafür sein mögen: Ein Mangel an Arbeitseinsatz war es auf keinen Fall. In nur 3 Jahren wurde die Original-Höhle in Millimeterarbeit nachgebaut – mit den neuesten Technologien und einer Menge altmodischer Handarbeit. Wie, was, wann und vor allem warum? Lascaux IV in 5 Fragen – und natürlich mit den Antworten.

Lascaux IV in Dordogne 1. Was ist das Besondere an Lascaux?

Zuerst einmal die Entdeckung, welche einem Abenteurerroman entsprungen sein könnte. Vier Jugendliche und ihr Hund fanden 1940 den Eingang zu einer Höhle in der Nähe des Dorfes Montignac im Périgord Noir. Mit Kerzen und Öllampen starten sie ihre Forschungstour und stehen kurz darauf Auge in Auge mit einem der allergrößten prähistorischen Schätze der Welt: hunderte Malereien und eingeritzte Zeichnungen von Stieren, Hirschen, Pferden. Und das alles in einem so ausgefeilten Stil, dass Lascaux schon kurz danach als Sixtinische Kapelle der Steinzeit bezeichnet wurde.

Lascaux Prähistorie im Périgord 2. Warum wurde eine Nachbildung angefertigt?

In den 1950er- und 60er-Jahren kamen so viele Menschen, dass das Klima in der Höhle von Lascaux aus dem Gleichgewicht geriet und sich erst eine grüne, dann eine weiße Schicht und später sogar schwarze Flecken auf den 17.000 Jahre alten Malereien bildeten. Im Jahr 1963 wurde das Höhlensystem daher größtenteils geschlossen und in den 1980er-Jahren ein paar hundert Meter weiter als Kopie unter dem Namen Lascaux II nachgebaut, um den vielen Besuchern gerecht zu werden.

Lascaux IV Prähistorie im Périgord 3. Und wieso jetzt Lascaux Nummer 4?

In der Zwischenzeit gab es noch eine internationale Wanderausstellung unter dem Namen Lascaux III, was nun zu Lascaux 4 für die neueste Version führte. Und wieso brauchte man diese Nachbildung? Brauchen ist vielleicht das falsche Wort. Besser gesagt: Inzwischen ist technisch sehr viel mehr möglich, und Lascaux II zeigte nur einen kleinen Teilbereich der 250 Meter langen Aneinanderreihung mehrerer kleiner Höhlen, die zusammen Lascaux bilden. Jetzt wurden sie alle komplett nachgebaut – in einem riesigen Besucherzentrum, das zugleich ein Museum für prähistorische Kunst ist.

Lascaux IV Prähistorie im Périgord

5. Wie konnte man die alte Höhle 1 zu 1 nachbauen?

Mit Hilfe eines Hightech-3D-Scanners wurde erst die komplette Höhlenmauer mit Styropor nachgebildet, danach mit stabilerem Material ausgegossen und zum Schluss bemalt. Auf den 30 großen Einzelstücken der kopierten Höhle (die wie ein Riesen-Puzzle ineinander gesetzt werden mussten – Denksportaufgabe!) wurden nicht nur die Höhlenmalereien, sondern auch jede kleinste Farbveränderung im Stein nachgebildet.

Höhle von Lascaux Prähistorie im Périgord

Echte Präzisionsarbeit, an der 30 auf Restauration spezialisierte Maler 3 Jahre non-stop gearbeitet haben. Ein unglaublicher Kraftakt, über den es auch einen schönen Dokumentarfilm gibt. Währenddessen bauten auch rund 100 Mann an dem neuen Gebäude rund um die Höhlenmalereien; der Entwurf stammt von einem jungen, norwegischen Architekturbüro.

5. Warum sollte man sich Lascaux IV ansehen?

Schon Lascaux II war sehr beeindruckend. Denn zu sehen, wie die prähistorischen Künstler Einbuchten und Vorsprünge in der Höhlenwand nutzten, um ihren Zeichnungen einen dreidimensionalen Effekt zu verleihen, das ist wirklich einzigartig. In der neuen Höhle wird man das noch besser sehen können. So wie in der Höhle von Chauvet in der Ardèche wurden auch Temperatur, Geruch und Luftfeuchtigkeit nachgeahmt, sodass sich alles wie in Echt anfühlt. Außerdem darf man nur in kleinen Gruppen (maximal 30 Personen) in die Höhle, und Handys müssen draußen bleiben (herrlich!).

Lascaux IV hoehle Prähistorie im Périgord

Auch das neue Besucherzentrum soll Maßstäbe setzen. Mit einem Außenbereich, vielen Filmen und Audioeffekten wird der Lebensraum der Höhlenbewohner simuliert. Zudem ist die Architektur beeindruckend, die präzise der Linie des darüber liegenden Hügels folgt und drinnen schmale Gänge hat, wodurch man sich tatsächlich wie unter der Erde fühlt. Die Ausmaße (8.600 qm) sind gigantisch und bieten vielen Besuchern Platz. Zudem gibt es eine Menge Hightech-Gadgets, die einem – in Wort und Bild – viel Wissenswertes über prähistorische Kunst vermitteln. Alles in allem ein besonderes Erlebnis für alle Sinne, das man während eines Urlaubs in der Dordogne auf keinen Fall verpassen sollte!

Weitere Informationen: projet-lascaux.com

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Höhlen von Lascaux Dordogne

Text: Nicky Bouwmeester/Ulrike Grafberger, Fotos: CRT Dordogne / Casson Mann & Snohetta (Computeranimationen) und Departement 24 / Dennis Nidos – Copyright Centre International de l’Art Pariétal Montignac-Lascaux.

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