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Brauche ich in Frankreich eine Umweltplakette?

Muss man eine französische Umweltplakette haben, wenn man nach Frankreich in den Urlaub fährt? Auch wenn man gar nicht vorhat, Paris zu besuchen? Zu dieser Frage kursieren die verschiedensten Behauptungen, wobei manche schlichtweg falsch sind. Hier die 5 wichtigsten Fakten.

1. Ist die Umweltplakette auf französischen Autobahnen Pflicht?

Die französische Umweltplakette ist nur in einigen großen französischen Städten vorgeschrieben. Seit letztem Jahr haben jedoch verschiedene Departements ihre Territorien zu „vorübergehenden Umweltzonen“ erklärt. Das heißt: Bei extremer Luftbelastung kann die Umweltplakette hier zeitweise Pflicht sein, für die schmutzigsten Fahrzeuge gilt dann ein Fahrverbot. Dies betrifft u. a. die Departements Côte d’Or (Bourgogne), Drôme, Loiret (Orléans), Haute-Savoie, Creuse, Gers und Hérault.

Aus praktischen Gründen ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass diese kurzzeitige Maßnahme auch für die (Abschnitte der) französischen Autobahnen gilt, die durch diese Departements führen, wie z. B. die Route du Soleil durch die Drôme oder die A10 und die A71 durch das Loiret. Theoretisch besteht jedoch die Möglichkeit. Leider ist die Kommunikation der französischen Behörden diesbezüglich ziemlich lückenhaft. Um auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt es sich daher für die meisten Urlauber, die Umweltplakette (zum Preis von 4,21 €) vorsichtshalber einfach zu bestellen.

Ecovignet Crit'air

 2. In welchen französischen Städten benötigt man eine Umweltplakette?

Wenn ihr vorhabt, über Paris zu fahren oder im Urlaub eine der folgenden Städte zu besuchen, braucht ihr auf jeden Fall die Umweltplakette: In Paris, Lyon, Grenoble, Lille und Toulouse, Rennes ist sie mittlerweile Pflicht. In anderen Städten gilt die Umweltplakettenpflicht nur in Perioden mit Smogbelastung, z. B. in Annecy, Dijon, Clermont-Ferrand, Montpellier, Marseille, Orléans, Bordeaux, Pau und Valence.

3. Braucht man die Umweltplakette auch auf den Autobahnringen rund um diese Städte?

Noch nicht. In Lille und Lyon ist die Umweltplakette auf den Autobahnringen und den stadtnahen Autobahnen bisher nicht vorgeschrieben. Und auch die Périphérique von Paris fällt im Prinzip nicht unter die permanente Umweltzone der Hauptstadt. Aber auch hier gilt: Bei extremer Luftverschmutzung kann die Umweltzone ausgeweitet werden. In diesem Fall ist die Umweltplakette vorübergehend sogar bis an den „Außenring“ (A86) obligatorisch. Konkret bedeutet das: Auf der Périphérique und darüber hinaus gilt Plakettenpflicht, auf der A86 selbst nicht.

Achtung: In Paris dürfen außerdem vom kommenden Sommer an Fahrzeuge der Kategorie 5 (Pkw mit den höchsten Emissionswerten) überhaupt nicht mehr in der Stadt fahren. Ab 1. Juli 2019 sind alte Diesel (von 2000 oder älter) in Paris und auf der Périphérique verboten.

Autoroute A6 Nemours Evry Umweltplakette

4. Was riskiert man, wenn man ohne Umweltplakette fährt?

Man riskiert ein Bußgeld von 68,- €, wenn man ohne Plakette in eine Umweltzone hineinfährt. Außerdem gibt es an Tagen mit extremer Belastung oft Polizeisperren rund um die größeren Städte, die nur die saubersten Autos (Kategorie 0 bis 3) durchlassen. Falls ihr an einem solchen Tag mit einem „schlechteren“ Auto durch die Umweltzone fahrt, droht euch ebenfalls eine Strafe von 68,- €.

5. Wie komme ich an eine französische Umweltplakette?

Die französische Umweltplakette, Crit’air genannt, kostet nur 4,21 € (inkl. Versand) und ist unbegrenzt gültig. Es gibt außerdem auch nur eine einzige Umweltplakette, die in ganz Frankreich gültig ist.

Wer jetzt denkt „OK, dann hole ich mir das Ding beim ADAC“, hat leider Pech, denn der ADAC darf die französische Umweltplakette nicht verkaufen. Die Crit’air-Plakette kann nur auf dieser Website der französischen Regierung bestellt werden. Die Lieferzeit wird mit 3 bis 4 Wochen angegeben, doch meistens ist die Plakette schneller da.

Und falls ihr sie doch erst im letzten Moment bestellt habt, keine Sorge: Wenn sie vor der Abreise noch nicht eingetroffen ist, könnt ihr auch die Bestellbestätigung – die ca. 1 Tag nach der Bestellung per E-Mail versandt wird – einfach ausdrucken und aufs Armaturenbrett legen. Aber Achtung: Bestellt sie euch wirklich nur über diese Website! Es gibt nämlich auch (betrügerische) Seiten, die 20,- bis 30,- € für die Umweltplakette verlangen, obwohl die gerade mal 4,21 € kostet.

Peripherie Paris Shift Umweltplakette

WICHTIG (1): Die französische Umweltplakette gibt es in 5 Kategorien, je nach Emissionsgrad des Fahrzeugs. Ab 1. Juli 2019 dürfen Fahrzeuge der Kategorie 4 an Wochentagen zwischen 8.00 und 20.00 Uhr die Pariser Innenstadt nicht mehr befahren. Autos der Kategorie 5 (alte Diesel) bzw. mit einem Baujahr vor 1997 sind ab diesem Stichtag in Paris (also auch auf der Périphérique) ganz verboten. Mit dem Simulationstool auf der Crit’Air-Site könnt ihr leicht herausfinden, in welche Kategorie euer Auto fällt.

WICHTIG (2): Die Gesetzgebung rund um die französische Umweltplakette ändert sich ständig. Behaltet also unsere Website im Auge und folgt uns auf Facebook, um über die aktuellen Informationen auf dem Laufenden zu bleiben. Letztes Update dieses Artikels: 11. 5. 2019.
Wenn ihr sonst noch Fragen über die Umweltplakette in Frankreich habt, besucht die offizielle FAQ-Seite von Crit’air, herausgegeben von der französischen Verkehrsbehörde (auf Englisch).

Quellen: Crit’air-Website, l’Humanité (Jan. 2018), und umwelt-plakette.de (zum Unterschied zwischen der permanenten Umweltzone (ZCR) und der vorübergehend erweiterten Umweltzone (ZPA) von Paris), ADAC,  Text: Nicky Bouwmeester/CC frankreich-webazine.de  Bilder: CC/Matthieu Milliot (Périphérique).

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